KARIBIK

Aliens im Kuna Yala Land – 03.07.2015

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…Endlich, wir sind soweit fertig, um morgen, den 6. Juni, Richtung San Blas Archipel aufzubrechen. Unser Plan wackelt kurz, als das Telefon läutet, am anderen Ende Käpt´n Jack. In mühevoller Kleinarbeit hatte ich zuvor den 30 Jahre alten Volvo Penta seines Schiffes, der SY „Fantasy“, das Schiff wurde in den 70igern als Filmkulisse für die TV-Serie Fantasy Island verwendet, restauriert und für eine Probefahrt vorbereitet.

Nun muss ich erfahren, dass Jack mit Unterstützung seines irischen Elektrikers Dave, nach einem exorbitanten Besäufnis, den geplanten Test-run selbst in die Hand genommen hat. Das ganze noch dazu im Leerlauf, 5 Minuten und unter Vollgas. Was für ein Schwachsinn! Gott sei Dank hat der Motor die Tortur heil überstanden. Fuchsteufelswild beende ich das Gespräch indem ich den beiden rate, erst einmal ihren Rausch auszuschlafen. Also, nix wie weg! Hier herrscht wirklich eine seltsame Schwerkraft.

Conny ist derselben Meinung und so brechen wir planmäßig mit der Hoffnung, etwas Ruhe und Entspannung zu finden, Richtung Nordosten auf. Und tatsächlich, östlich des Punta Pescador kündigt sich bereits eine Klimaveränderung an. Es wird trockener, die Sonne zeigt sich deutlich mehr und das Stimmungsbarometer steigt. Nach einem Zwischenstop in der Green Turtle Marina erreichen wir die Chichime Cays, Absprungspunkt, der von Westen kommenden Yachten. Intuitiv zieht es uns aber weiter zu den Inseln der Hollandaise.

Von Riffen umgebene kleine Inselchen, mit Palmen bewachsen, säumen unsere Route. Ankerplätze in klasklarem Wasser, weißer Sand und Palmen, wohin man schaut. Die Navigation verlangt große Aufmerksamkeit, aufgegebene Schiffe auf Legerwall sind hier in diesen Gewässern keine Seltenheit. Und so manövrieren wir uns hinein, in den „Swimmingpool der San Blas“, wo wir unseren Anker auf 3 m Wassertiefe, im türkisen, fast schon kitschigen Blau vor BBQ-Island, alias Turtle Island, fallen lassen.

Malerische Inseln, von einem mächtigen Riff umgeben. Mühen und Plagen des Seglerlebens sind mit einem Mal wie weggewischt und ein gesteigertes Wohlbefinden stellt sich ein. Es ist einer dieser besonderen Kraftorte, wo Sinneseindrücke Raum und Zeit verschmelzen lassen. Spektakulär die akustische Kulisse. Der ständige Strom des Wassers erzeugt ein Gurgeln und man hat das Gefühl zu segeln, obwohl man geschützt vor Anker liegt. Die Brandung, die gegen das mächtige Riff donnert, erinnert an einen vorbeifahrenden, niemals endenden Güterzug. Als Untermalung eine stetige Brise aus Nordost.

Dementsprechend vielfältig auch die Unterwasserwelt. Das durch die starke Strömung fließende Wasser lockt jede Menge hungriger Gesellen an. Barakudas stehen wie im Spalier in der Strömung, große Stachelrochen gleiten knapp über dem hellen Sandboden dahin. Manchmal springen sie hoch aus dem Wasser um ihre Putzerfische loszuwerden, ein imposantes Schauspiel! Große Mondfische wirken unbeholfen utopisch und während ich die Gelegenheit nutze und mein Unterwasserschiff putze, schaut der Boss höchstpersönlich vorbei.

Ich sehe ihn spät, majestätisch und unverkennbar in seinen Bewegungen. Ein Ammenhai, deutlich länger als ich mitsamt meiner Flossen, gleitet einige Meter unter mir durch. Ein fesselnder Anblick, keine Zeit für Furcht, mein erster Kontakt mit einem so großen Burschen! Ich bin ihm völlig egal und er zeigt keinerlei Interesse. Anscheinend ist er nur auf der Durchreise. Da ich nahe der Oberfläche bin, kann ich Conny durch zurufen noch aufmerksam machen. „Ein Hai, achtern unter unserem Dinghi!“ Sie sieht noch, wie der große Schatten davongleitet und ich bin erleichtert, einen Zeugen dieser Begegnung zu haben. Der Moment war absolut großartig, erst später realisiere ich, zutiefst bewegt, das Erlebte.

Eine wunderschöne, erholsame Zeit, einfach genial. Und so verrinnen die Tage, mit gutem Essen, schnorcheln, den abendlichen Sundowner genießen, über das Leben philosophieren, gemeinsam Zeit verbringen. Bloß mal herumtrödeln! Herrlich! Kuna Indianer kommen regelmäßig vorbei gepaddelt und versorgen uns mit fangfrischem Fisch, Obst und Gemüse. Im Gegensatz zu den Panamesen sind Sie freundlich und lachen viel. Die Kuna Frauen bieten Ihr Handwerk, kunstvoll genähte Molas, feil. Nicht zuletzt deswegen genießen die Frauen in Kuny Yala einen sehr hohen sozialen Stellenwert. Um einige Dollars zu verdienen, rudern sie ebenso wie die Männer in ihren traditionell gebauten Ulus, gegen Wind und Strom, viele Meilen von Insel zu Insel.

Eine rot-weiß-rote Fahne nähert sich unserem Ankerplatz. Die Esperanza, mit Martina und Florian, von den östlichen San Blas kommend, ankert sich ein. Immer wieder kreuzen sich unsere Wege und wir verbringen wieder einige sehr nette und abendfüllende Stunden miteinander.

Da unsere Vorräte viel zu schnell schrumpfen, müßen wir voerst leider unser kleines Paradies verlassen und 15 Meilen zur Isla Tigre segeln, wo wir unseren Brauchwasser-Vorrat auf der vorgelagerten Wasserinsel aufstocken. Wir sehen in dem kleinen Ort auf Tigre noch etwas von einem traditionellen Kuna Dorf, wenn auch hier bereits unübersehbar die Moderne Einzug gehalten hat. Unvergesslich, die lachenden, glücklichen Kinder und fröhlichen Menschen, die über dem Wasser befindlichen Plumpsklos, Farben und Molas. Eine betörende Schlichtheit und Einfachheit des Lebens, wie man sie nur selten findet. Die Festlandnähe ist jedoch nicht ganz das, was wir suchen, und so nehmen wir nach einem kurzem Versorgungsstop in Nargana wieder Kurs Nord auf die äußeren Inseln.

Beim Zwischenstop vor dem idyllischen Inselchen Waisaladup treffen wir nocheinmal die Esperanzas. Die Geburtstagsparty meiner Bordfrau steht an. Als Kulisse werden diesmal die nahegelegenen Cocos Banderas Inseln erkoren. Gemeinsam basteln wir ein Festessen, gegrillter Fisch, belegte Brötchen vom Feinsten und das von Martina gezauberte, exzellente Dessert schmecken hervorragend. Auf diesen Koordinaten ein echtes Highlight! Und als mir am nächsten Tag noch von den Kunas ein kapitaler, prächtiger Fisch angeboten wird, gibt es auf Waisaladup gleiche eine weitere Grillparty. Dieses Mal bleibt sogar noch etwas übrig und alle sind satt wie schon lang nicht mehr!

Um noch etwas Ruhe zu finden, treibt es uns wieder zurück in den Swimmingpool vor BBQ-Island. Kraft tanken, einen Gang runterschalten, noch die letzten Tage vor der Rückreise und dem bevorstehenden Kanaltransit genießen. Angekommen hören wir wieder den Güterzug des Universums, lächeln und fühlen eine Leichtigkeit des Seins. Wir möchten sie keinesfalls missen, die Erlebnisse und Erfahrungen auf diesen traumhaften Inseln vor Panama!

Go west – 05.02.2015

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Nicht ohne Wehmut blicken wir auf die Insel zurück, die langsam hinter uns in der anbrechenden Dämmerung im Meer versinkt. Die Verlockung, in diesem überaus freundlichen Grenada hängen zu bleiben, ist sehr groß und viele gestrandete Existenzen geben Zeugnis davon. Also widerstehen wir dieser Versuchung und kappen vorsichtshalber die Leinen. Neue und lieb gewonnene Freunde werden zurück gelassen und gegen den harten Bordalltag getauscht. Und als sich ein Wetterfenster öffnet, nutzen wir die Gelegenheit, um unseren Weg nach Westen fortzusetzen.

Nach 9 Monaten Segelabstinenz müssen wir uns erst einmal wieder an die schlingernden, rollenden Bewegungen unseres Schiffes gewöhnen. Sicherheitshalber werden Tabletten gegen Seekrankheit eingenommen, man weiß ja nie. Und tatsächlich sollen aus den kalkulierten 4 Tagen nach Bonaire nur 68 Stunden werden. Mit ausgebäumter Genua an Backbord und Fock an Steuerbord rauschen wir Richtung Westen. Wind und Strömung treiben uns auf dem 12. Breitengrad an der venezuelanischen Küste vorbei. Wir passieren in rascher Fahrt und unter Schlafentzug die Islas Los Roques und Islas de Aves.

Nach einiger Zeit bemerke ich, dass das Ruder der Windsteueranlage nur mehr lose hinter dem Schiff nachgezogen wird, die Welle ist gebrochen. Das Vergrößern und Vorbalancieren des Ruderblattes hat also nicht den erwünschten Erfolg gebracht und somit ist wieder einmal für Arbeit gesorgt.

Besondere Vorsicht ist in diesem Gebiet nicht nur wegen des Schiffverkehrs angesagt. Reger Schmuggelverkehr zwischen Kolumbien, Venezuela und den ABC Inseln sind an der Tagesordnung. Dementsprechend unser Abstand zum Festland und Kontrolle des Umfelds mit Fernglas und Nachtsichtgerät. Keinesfalls wollen wir zwischen die Fronten geraten oder sogar als potenzielle Opfer auserkoren werden. Aus der Lokalzeitung erfahren wir später, dass sich die Aktivitäten der Küstenwache in Bonaire auf Luftaufklärung und Hilfseinsätze beschränken. Begründung: Zu viel Gewalt gegenüber den Beamten der Küstenwache. Die Polizei fürchtet sich vor den bösen Jungs! Alles klar…

Bei Tagesanbruch erreichen wir zügig die Südspitze von Bonaire. Der Wind weht immer stärker und bevor wir den Windschatten der Insel erreichen, erwischt uns als Willkommensgruß noch ein starker Regenschauer. 100 Meter Sichtweite und starke Böen, super! Nun, die Aussicht auf ein gemütliches Schläfchen an der Boje vor Kralendijk läßt das alles nicht so wild erscheinen und eine halbe Stunde später ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Wir schippern an ehemaligen Sklavenhütten, den Salzgewinnungsbecken und im türkisblauen Wasser Richtung Bojenfeld.

Bonaire, Taucherparadies, Naturschutzgebiet und Anlaufpunkt von riesigen Kreuzfahrtschiffen. Fast täglich legen neue Ozeanriesen an, tausende Touristen werden für einige Stunden ausgespuckt. Diese wirtschaftliche Lebensader prägt den Tagesablauf dieser westlichen Enklave Hollands. Schnell konsumieren, eilig alles erkunden, bis ein Schallsignal die Massen in das schwimmende Resort zurücktreibt, der Zeitplan ruft! Aus Sicht des ökonomischen Langzeitseglers gesehen, denkt man etwas neidisch an den vorhandenen Luxus auf diesen Dampfern, andererseits aber wirkt das ganze Geschehen auf uns doch etwas surreal und krank.

Per Flugzeug kommen auch gerne die Tauchtouristen, die Unterwasserwelt ist hier unglaublich farbenprächtig. Ideale Bedingungen, die Riffkanten knapp an den Ufern laden zum Erkunden ein, unzählige Tauchbasen hat man hier errichtet. Bis in die späten Abendstunden sieht man das Leuchten der Tauchlampen unter Wasser und desöfteren kann man das blubernde Geräusch der Taucher unter unserem Schiff wahrnehmen.

Um noch etwas anderes als Massentourismus zu sehen, beschließen wir eine Inselrunde mit einem gemieteten Roller zu unternehmen. Von der Bordfrau werden nur 50 ccm genehmigt, zu groß ist ihre Angst, der Rennfahrer in mir könnte mit mir durchgehen. So sehen wir Flamingos, Kakteen, Salzgewinnung, Sklavenhütten, und Erdölverladestellen. An einem Parkplatz an der Ostküste werden wir freundlich aber bestimmt am Weiterfahren gehindert. Ein außerordentlich freundlicher Soldat der Dutch Army klärt uns darüber auf, dass vor zwei Tagen ein Speedboot der Drogenschmuggler gekentert ist. Zwei Leute werden noch vermisst, gewinnbringende Pakete der Ladung könnten an Land geschwemmt worden sein. Die aus Curacau angeforderte Einheit soll nun das Einsammeln der Ware durch Unbefugte verhindern, für Ordnung sorgen und die Vermissten suchen. Nachdem wir uns als gemeine Segler geoutet haben, wird noch hin und her gescherzt, bevor wir nach Kralendijk zurückkehren.

Ein wirkliches Highlight für uns ist zweifellos der hiesige Van den Tweel Supermarkt, eine solche Sauberkeit und große Produktpalette haben wir auf unserer Reise schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen! Ein wahres Paradies für jeden Langzeitsegler! Wir bunkern dementsprechend auf, reparieren das Ruderblatt der Windsteueranlage und beschließen das nächste Wetterfenster zu nutzen, um Richtung Panama zu segeln. 800 Meilen Richtung Südwest inklusive Umrundung des berüchtigten Cabo Velas in Kolumbien. Durch die Berge nahe der kolumbianischen Küste baut sich hier schon mal eine hohe, steile See auf und ein Respektabstand von 100 Meilen zur Küste erscheint uns für sicher und angemessen. Am Samstag, dem 24. Jänner, lösen wir am späten Vormittag unsere Leinen. An der Nordwestspitze der Insel braust ein letztes Mal die zweimotorige Fokker der Küstenwache über uns hinweg, man kann deutlich die Sonnenbrille des Piloten sehen. Big Brother is watching you!

Einige Tage später, früh morgens, 4 Uhr 30. Ich erwache nach einem schlechten Traum, es ist dunkel. Nur langsam realisiere ich, wo ich bin. Die zügige Fahrt schüttelt mich durch. „Es läuft gut, alles im Griff, mir fallen zwar schon die Augen zu, aber es geht noch ein wenig, wenn du noch schlafen willst…“. Tapferes Mädchen! Auf sie kann man sich eben verlassen. 8000 Meilen segeln haben uns beide sehr geprägt. Schlaftrunken klettere ich in`s Cockpit, setze meine Haube auf und übernehme meine Schicht. Conny verschwindet mittlererweile erschöpft in ihre Kabine um etwas Ruhe zu finden. Ich starre in den Himmel und siniere vor mich hin. Wahnsinn! Wir rauschen mit 7 Knoten durch die stockdunkle Nacht, irgendwo 90 Meilen vor Panamas Küste, im Karibischen Meer. Wer hätte das gedacht? Zuerst die Adria, dann das Mittelmeer, Gibraltar, Atlantiküberquerung, das Karibische Meer und nun Lateinamerika!

Wir sind gut vorangekommen, die See war aber doch wie erwartet, sehr aufgewühlt. Von den Anstrengungen der letzten Tage gezeichnet, sitze ich da wie Papa Schlumpf mit seiner Haube, die gelbe Sicherheitsleine verbindet mich wie eine Nabelschnur mit unserer Alien. Wenn es so weiterläuft, werden wir morgen, nach nur 5 Tagen und noch vor Einbruch der Dunkelheit, unser Ziel Portobelo, 20 Meilen nordöstlich des Panamakanals, erreichen. Leider ist das Ruderblatt der Windsteueranlage erneut gebrochen und wieder wartet Konstruktionsarbeit auf mich. Ohne funktionierende Windsteueranlage gibt es für uns vorläufig keine Kanalschleusung und keine Südsee. Das wird nicht einfach, denn die technische Versorgungslage soll eher dürftig sein. Nun, wir werden sehen…

Kapitän i. V. – 24.11.2014

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….die erste Nacht, das erste Mal alleine auf der Alien. Jedes noch so kleine, ungewohnte Geräusch lässt mich den Atem anhalten und nach draußen sehen. Kurzer Rundgang, Kontrolle der Festmacher, alles okay – das Schiff schwimmt noch! Es ist eine neue, aber auch aufregende Erfahrung für mich, die alleinige Verantwortung über das Schiff zu haben. Alien liegt nach wie vor im St. Georges Yachtclub und wartet auf die Rückkehr des Kapitäns in spe, während er sich um Familie und diverse Angelegenheiten in Österreich kümmert. Nun, ich werde versuchen, ihn bestmöglichst zu vertreten.

Was macht die arme Bordfrau, so ganz auf sich gestellt, den lieben langen Tag? – werden sich da manche von Euch fragen. Von Langeweile keine Spur! Neben dem Abarbeiten der vom Kapitän erhaltenen To-do-Liste, diese enthält sämtliche Kontrolltätigkeiten und Arbeiten an Deck, kümmere ich mich um die Energieversorgung, Systemerhaltung und die sonst so üblichen Aufgaben einer Bordfrau. Auch Dinge wie Brot backen, schon mal einige Schmankerl vor- und einkochen und letztendlich auch noch einen traditionellen Apfelstrudel backen, gehören dazu.

Warum bäckt sie bloß bei einer Temperatur von 33°C Apfelstrudel? Mit dieser süßen Versuchung werden unsere Freunde vom St. Georges Yachtclub bestochen :-). Sie kümmern sich gar rührend um mich. Kein Morgen vergeht, ohne dass sich unser Schiffsnachbar, er ist der Onkel des Dock Managers, ausgiebig nach meinem Befinden erkundigt. Überhaupt sind in dieser familiären, von Einheimischen geführten Marina, alle äußerst höflich, nett und hilfsbereit. Die offene Umgangsweise der Grenadiner verblüfft mich immer wieder aufs Neue. Es tut Herz und Seele gut!

Eben genau dieses zugängliche und freundliche Miteinander spiegelt sich schon bei den Kleinsten wider. Die Süßen sind nicht nur besonders liebreizend anzuschauen, sie sind auch gut erzogen. So gut wie nie haben wir einen quengelnden Schreihals zu Gesicht bekommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Grenadiner ihre Kinder nicht so sehr materiell, dafür aber mit sehr großer Aufmerksamkeit, verwöhnen. Insbesonders die Väter gehen hier besonders liebevoll mit ihren Sprösslingen um. Auf diesem Island nimmt man sich noch Zeit für die wirklich wichtigen Dinge! Keine Kinder zu haben, gehört sich hier nicht und ist ein absolutes No-Go!

Mit Themen wie Zuwanderungspolitik hat Grenada daher nicht viel am Hut. Hier wird ausreichend und wehement für Nachwuchs gesorgt. Überall und jeden Orts wird in großem Ausmaß geflirtet und geturtelt, was bekanntlich desöfteren zur schönsten Nebensache der Welt führen kann. Wir bekommen zu hören, dass sich viele der einheimischen Frauen, so ihren Lebensunterhalt finanzieren müssen. Es gibt hier weder einen Mutter-Kind-Schutz, noch sonstige staatliche Unterstützungen, muss man bedenken. Auch die vermeintlichen Väter können und werden seitens der Behörden nicht zur Kasse gebeten. Nicht wirklich verwunderlich also! Interessant auch, dass es hier viermal so viele Frauen wie Männer geben soll. Und nach dem Motto „The Ladies have to be happy“ haben die Herren der Schöpfung alle Hände voll zu tun…

Abgesehen von der täglichen Arbeit auf der Alien besuche ich manchmal den Grand Anse Beach. Man sagt, der Strand von Grand Anse sei einer der schönsten Strände der ganzen Karibik. Er ist stolze 3 km lang und befindet sich an der geschützten Westküste (Karibisches Meer) der Insel, es gibt kaum Wellen und ist auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Dort begegnet man schon mal Rasta Frank, der es sich nicht nehmen lässt, mir einige seiner Reggae-Songs vorzutragen. Mit ihm führe ich äußerst interessante und philosophische Gespräche.

Ja, ich fühle mich ausgesprochen wohl hier auf Grenada. Wahrlich ein Ort zum „Picken bleiben“! Der Abschied wird uns nicht leicht fallen…

PS: Für alle, die sich um des Kapitäns Gesundheit sorgen. Die Nachwehen des Chikungunya Virus sind erträglicher geworden und siehe da, mit Bravur meistert er noch vor seinem Heimflug die anstehenden Arbeiten am Masttop! 🙂

Gute Zeiten, schlechte Zeiten – 19.09.2014

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..eines Morgens, der routinemäßige, verschlafene Blick in den Spiegel. Ok, ich kenne dich nicht, putze dir aber trotzdem die Zähne. Moment mal, da stimmt doch was nicht! Ich reibe mir die Augen was ein leichtes Brennen zu Folge hat. Nachdem die verschwommenen Konturen wieder klarer werden zeigt sich eine deutliche Schwellung des rechten Tränensackes.

Nun, da ich regelmäßig im Wasser bin, um mein Unterwasserschiff von Bewuchs, hauptsächlich Barnakels, das sind kleine, sehr hartnäckige Muscheln zu befreien, ist es nicht verwunderlich, gelegentlich kleine Verletzungen oder Irritationen der Haut davonzutragen. Das Wasser hat 28 Grad, die Lufttemperatur bis zu 34, selten unter 29, auch nachts über. Dabei leidet die Wundheilung, und man muß ständig auf der Hut sein, um eine Infektion zu vermeiden. Ok, wird nicht so schlimm sein, das geht vorüber…

Nächster Morgen… Uups, meine rechte Gesichtshälfte schwillt immer mehr an. Tja, was ist denn da los? Leichtes Unbehagen macht sich breit. Was tun? – Gedankenblitz! Ich fotografiere mich selbst und schicke das Bild meinem Freund Dr. Willi und er hat auch sogleich eine Vermutung, Zahn rechts oben Nr. 5. Tatsächlich ist dieser in keinem guten Zustand, macht aber an sich keine Probleme oder Schmerzen. Um diese Möglichkeit, die sehr plausibel klingt, auszuschließen, entscheide ich, die Reste entfernen zu lassen.

Abenteuer Zahnarztsuche. Dr. Davidson, ein älterer, sympatischer Dentist der alten Schule, nimmt sich meiner an und extrahiert die übriggebliebene Wurzel des Zahnes. Mit grenadinischem Lächeln, immer einem Scherz auf den Lippen, werkelt er das Ding heraus und zeigt mir stolz die gesamte Wurzel. Gott sei Dank, ich habe früher schon böse, sehr schmerzhafte Erfahrungen bei all meinen vier Weisheitszähnen gemacht. Heftige Nachblutungen sind die Folge des nicht ganz einfachen Eingriffs, aber das Ergebnis ist, die Schwellung am Auge normalisiert sich wieder. Mein Plan ist, die Wunde verheilen zu lassen und später, bei sich bietender Gelegenheit, ein Implantat in Betracht zu ziehen.

So weit, so gut. In der Zwischenzeit hat sich mein Ankerplatz sehr bewährt, hier läßt es sich durch eine leichte Brise, speziell nachts, gut aushalten. Die Insel zeigt sich nun in voller Farbenpracht, alles ist saftig und grün, dementsprechend das Angebot an herrlich frischen Früchten. Leider vermehren sich jetzt aber auch die Mosquitos rasant. Nicht ganz ungefährlich, denn sie sind die Hauptüberträger von Dengue Fieber, Malaria und des Chikungunya-Virus.

Auf dem Schiff, vor Anker, habe ich weniger Probleme mit den Stechmücken, sie sind schlechte Flieger und mögen konstanten Wind und Zugluft gar nicht. Im Gegensatz zur gemeinen Stubenfliege (sehr treffender Name). Diese zeigen Flugleistungen die im Tierreich einzigartig sind, starker Wind stört sie gar nicht. Jeden Morgen, wenn die Temperaturen noch etwas Schlaf zulassen würden, werde ich von den Biestern unsanft geweckt. Frech versuchen sie sich ein schmackhaftes Stück aus Nase oder Ohr herauszupicken. Dementsprechend das Wachwerden. Der Mann soll gefälligst aufstehen, es wäre jetzt Zeit für die täglichen Frühstücksbrösel! Also aufstehen, Badezimmer, der Blick in den Spiegel,….. oh Gott!

Die Schwellung ist zurück! Nun werde ich leicht nervös. Nach drei Tagen hat sich der Zustand extrem verschlechtert, eine starke Hautirritation bricht aus. Beide Augen sind nun betroffen, der Druck der Schwellung ist jetzt so groß, dass ich Probleme mit der Sehkraft bekomme. Meine Bordfrau liest mir die Leviten, es ist Handeln angesagt. Zudem hat sich noch ein allgemeiner Erschöpfungszustand eingestellt, irgend etwas stimmt nicht mit mir.

Mein Dinghi hat in der Zwischenzeit ebenfals beschlossen Schwierigkeiten zu machen und zeigt einen nicht zu lokalisierenden Luftverlust. Es hat mir viele Jahre gute Dienste geleistet, die brutale Sonne und der neue, stärkere Außenbordmotor geben ihm den Rest. Das passiert natürlich genau zur richtigen Zeit. Zusätzlich kommt, wie kann es anders sein, Murphys Gesetz zum Tragen. Bei der Überfahrt in die Whisper Cove Marina verreiße ich mir mein Kreuz. Mary, die hiesige Chefin erkennt sofort den Ernst der Lage und arrangiert einen Termin bei Fau Dr. Isaac, einer vertrauenserweckenden Ärztin. Sie versorgt mich mit einer Akutbehandlung, die Symtome bessern sich, die Ursache aber, muß dennoch gefunden werden.

Glücklicherweise kann ich einen der raren Liegeplätze im St. Georges Yacht Club für einen Monatbekommen. Der Dock Master zeigt Verständnis für meine Situation. Auch Conny macht sich mittlerweile große Sorgen. Ich versuche zu beschwichtigen, die Lage scheint jedoch ernst zu sein. Weitere Symtome machen mich zusätzlich nervös. Als guter Kapitän bringe ich mein Schiff noch die 11 Seemeilen um die Südspitze der Insel sicher in den Hafen. Schmerzen am ganzen Körper breiten sich aus. Nun kann ich Untersuchungen durchführen lassen, der vorhandene Landzugang macht die Sache wesentlich einfacher.

Die Ergebnisse stehen noch aus aber eins wissen wir schon genau, Chikungunya, die Krankheit des gebückten Mannes, habe ich sicherheitshalber zu dem ganzen Schlamassel auch ausgefasst. Diese kann man sich alls Mischung von Gicht und Muskelkater in den Extremitäten mit starken Schmerzen und Fieber vorstellen. Ich bin aber nicht der Einzige, einige unserer Kollegen hier hat es auch erwischt. In der Not zeigen sich bekanntlich die wahren Freunde, auf die Seglerkollegen hier in St. Georges und in der Prickly Bay ist wirklich Verlaß. Sie kümmern sich fürsorglich (nicht nur) um mich, alle helfen bei der Versorgung und mit Rat und Tat.

Ja, es gibt sie doch, die Engel. Man muß nur genau hinsehen! Und so manches Mal kommen sie sogar und füttern dich mit Suppe…

Alltagsgschichten aus der Ferne – 06.08.2014

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Vier Wochen ist es jetzt schon her, seit meine Bordfrau den Flug in die Heimat angetreten hat. Man kann von einer eher sehr strapaziösen Reise sprechen, denn mit zwei Zwischenlandungen, langen Wartezeiten, Verspätungen und ganzen 40 Stunden am Stück unterwegs zu sein, war doch sehr anstrengend. Just am Vorabend des Abflugtermins erwischt mich noch schnell die Rache des Montezuma, kein guter Auftakt für mein Einhandabenteuer und Conny’s Abschied. In diesen Breiten ist die Gefahr von Infektionen schon wesentlich größer und es empfiehlt sich vorsichtig zu sein. Aber wieder einmal helfen die von Conny’s Mama gepflückten Kräutlein hervorragend. Ja, ja, die guten alten Hausmittelchen.

Kurz nachdem Conny in Wien angekommen ist, erzählt sie von einer Anderswelt dort drüben. Eine Welt, gesteuert von den Eliten, kontrolliert von Machthabern, gemaßregelt bis ins kleinste Detail. Es ist eine oft sehr gefühlsarme und einsame Welt von Zombies, in der Eigenverantwortlichkeit, selbstständiges Handeln und Denken nicht mehr gefragt sind. Ein aufeinander Zugehen, ein Zusammenhalt, was wir in den ärmeren Ländern dieser Welt so oft beobachten konnten, geht durch den dort vorherrschenden Egoismus und Wohlstand leider immer mehr verloren. Das Wesentliche, worauf es im Leben ankommt, wird stark vernachlässigt. Scheinheiligkeit und Oberflächlichkeit anstatt Wärme und Nähe, Frustration und Missgunst anstatt Zufriedenheit und Toleranz. Sie hat jedoch in der Zwischenzeit sehr gut gelernt, auf die Menschen in ihrem Umfeld zuzugehen und so wird sie auch in ihrem Heimaturlaub auf Gleichgesinnte, abgesehen von lieben, treuen Freunden und unserer Familie, treffen, die Kraft und Hoffnung geben.

Einige Tage später, 1:30 Uhr morgens. Heftige Böen mit kräftigen Regenschauern erinnern daran, dass die Regenzeit nun endgültig begonnen hat. Windstärken mit bis zu 41 Knoten sind keine Seltenheit. Unser Ankerplatz jedoch ist ideal, ganz und gar ohne Schwell, Strömung und Wind immer auf die Nase. Die Energieversorgung stellt kein Problem dar, was will man mehr.

Vor Anker zu liegen und zu leben ist und bleibt trotz allem ein harter Kampf gegen sämtliche Widrigkeiten die mit der Systemerhaltung und der Natur einhergehen. Der Bewuchs auf Welle und Propeller ist einfach nur brutal. Jeder Badevorgang wird zur Reinigung des Unterwasserschiffs genutzt, auch der Bewuchs des Dinghys ist enorm. Nun, so kommt man wenigstens zu etwas mehr Bewegung, die müden Knochen brauchen schließlich auch ihre Trainingseinheiten. Die Vegetation um mich herum hat sich in ein sattes, üppiges Grün mit einer emensen Farbenpracht verwandelt. Die Gewürzinsel blüht auf und unter der zeitweise extrem brütenden Hitze läuft das Leben noch ein wenig langsamer.

Einige der Österreichischen, Deutschen und Schweizer Crews sind ebenfalls hier auf ihren Schiffen geblieben und so hat sich eine kleine Community gebildet. Horst und Brigitta, Florian und Eva, Ruedi und Doris, Dietmar und Martina, Hans Peter und Doris plus Benny, halten die Stellung und natürlich auch, wie es sich gehört, fest zusammen! Und da ich momentan ein armer Strohwitwer bin, wäre ich, auf ausdrücklicher Bitte meines Admirals an die anderen Bordfrauen, etwas zu füttern und zu streicheln. Ich soll später nicht in allzu verwahrlostem Zustand vorgefunden werden. 🙂

Auch für Kurzweil ist gesorgt. Beim Grillhenderl-Essen in der Whisper Cove Marina, einem idyllischen Plätzchen in der Wouborn Bay (bekannt als Schmuggler-Bucht), werden wir Zeugen einer wilden, filmreifen Verfolgungsjagd. Coast Guard gegen Schmuggler. Das kleine Speedboot der Schmuggler fährt mit Höchstgeschwindigkeit durch die Bay Richtung Fischersteg, der sich sehr nahe zu unserem Beobachtungsposten befindet. Das mit dreimal zweihundert PS Außenbordern bestückte Boot der Küstenwache sitzt den Verfolgten bereits im Nacken, als diese anlanden. Zu zweit flüchten die Ganoven zu Fuß und lassen sowohl Boot als auch die heiße Ware zurück. Den Tätern nachzulaufen und sie zu stellen wird in der Karibik der Einfachheit halber unterlassen und so machen sich die Ordnungshüter mit Boot und Beute im Schlepp auf den Weg und verschwinden langsam in Richtung ihres Stützpunkts. Eine Reality Show hautnah zum Miterleben und auch das Henderl vom Spieß hat super geschmeckt.

Um die Wartezeit auf Stürme und Bordfrau sinnvoll zu nützen und die Bordkasse etwas aufzubessern, besinne ich mich meiner früheren Passionen und biete nicht zuletzt auch aus Neugier, meine Dienste als Technik-Guru an. Da hier speziell im Bereich der Motorreparatur und Mechanik ein unübersehbares Manko an Kompetenz vorhanden ist, fällt es mir leicht, auf diese Weise einer Beschäftigung nachzugehen. Viele Schiffe befinden sich nun, meist nach einigen tausenden von gefahrenen Seemeilen, am 12. Breitengrad, mit ihnen das Damoklesschwert der Technik. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann diese den Geist aufgibt. Und so kommt es, dass ich nun die verschiedensten Schiffe und deren mehr oder weniger maroden Eingeweide zu Gesicht bekomme. Wie so oft sind die Angst vor der Technik, Unwissenheit, mangelndes Service aber auch falsche Wertigkeiten Grund für unnötige und teilweise kapitale Schäden. Vorsorge und Kontrolle sind logisch und ein Muss!. Ein Mekka für einen erfahrenen Mechaniker. Die Dienste des „Technical Supervisor“ Martins, the „Austrian Mechanix“, werden dankbar angenommen.

Eigentlich ein schönes Gefühl, etwas zu reparieren. Wenn da nicht der Fluch der eigenen Technik wäre. In meinem Fall ist es ein Ankerlicht, dass mir den Tag versaut. So sitze ich spät abends im Cockpit, geschlaucht von der eigenen Systemerhaltung (die im Normalfall und von mir viel zu wenig gewürdigt, mein leider nicht anwesender Admiral übernimmt) und plötzlich wird das Leuchten des Toplichts immer weniger bis es letztendlich in ein difuses Glimmen übergeht. Ein Fehler, der mich schon einige Zeit begleitet. An Schlafengehen wieder nicht zu denken! Kopflicht rauf, rein in den Schaltkasten, erster Handgriff und ….Rums! Zappenduster. Kompletter Stromausfall. Nix rührt sich da , Nada, niente….

Nach kurzer Zeit finde ich den Fehler, eine lockere Klemme in der Hauptstromversorgung. Puls normalisiert sich wieder, die Aufregung legt sich langsam, Licht wieder da. So wichtig ist mittlerer Weile der Strom für uns alle! Fazit: Die Reparatur der Mastverkabelung nach dem Stromschlag in Italien ist etwas überarbeitungsbedürftig, ärgerlicher Weise wurden billige Baumarkt-Kabel zum Masttop verwendet, jetzt ist alles verrottet. Das heißt für mich neue Topelektrik und Kabel ziehen im Mast, das ganze vor Anker liegend.

Dieses Mal darfst du dir das Ende der Geschichte selbst aussuchen!

Die kommerzielle Variante:

Arbeiten am Top, oberhalb der zweiten Salling ist nichts für Leute mit Höhenangst, aber der Ausblick Leute, der ist genial!

Die Variante für Insider:

Und während ich diese Zeilen tippe, höre ich leise eine imaginäre Stimme, die zu mir spricht……. Ha, ha, hat keiner gesagt, dass es leicht wird, …… Hi, hi, hi, ihr habt es ja so wollen, werden sie sagen, ………..Ich blicke über den Rand meines Laptops und sehe unser Bordmaskottchen, namens „Schweindi“, sich nur mühsam das Lachen verkneifend, mich mit starrem Blick fixierend………..

Also, das wäre jetzt ein Tabubruch des Seglerkodex, in dem es heißt, nichts über die Rolle der Stofftiere an Bord zu verraten! Aber wie wir ja alle wissen, hatte auch schon Tom Hanks im Film „Cast Away“ so seine Probleme mit Wilson… 🙂

Grenada, Hog Island – 18.06.2014

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Zwei Landzungen, nur fünf Meilen Richtung Südwesten, unser nächstes Ziel, die Wobourn Bay. Gleich nebenan liegt die Mt. Hartman Bay mit einer schönen Anchorage direkt vor Hog Island. Wir ankern östlich der Brücke, die Hog Island mit der Hauptinsel verbindet. Hier haben wir Strömung und Wind immer genau auf die Nase, das stabilisiert das Schiff und wir rollen nicht, was für ausreichenden Schlaf und eine ausgeglichene Crew sorgt.

Fast schon ein wenig geschichtsträchtig ist die Gegend hier. Eine große Anzahl von Seglern, die über den Atlantik kommen, landen zur Hurricane Season im etwas geschützteren Süden der Karibik. Viele legen ihre Boote an Land und absolvieren einen Heimaturlaub, andere bleiben im Wasser und harren der Dinge die da kommen.

Aber wie geht es weiter? Einmal an diesem Punkt angelangt, müssen früher oder später wichtige Entscheidungen getroffen werden. Geht man von hier aus weiter nach Westen, ist das Ziel in den meisten Fällen der Panamakanal und der Pazifik. Kurse von den ABC Inseln nach Norden sind abenteuerlich und der Weg von Kuba zurück Richtung Osten sehr beschwerlich. Eine weitere Option ist die altbekannte Atlantikrunde, über die nördlichen Karibikinseln und die Bermudas zu den Azoren bis Gibraltar und schon ist man wieder zurück im Mittelmeer. Und schließlich gäbe es auch noch die Möglichkeit hier in den West Indies für einige Zeit abzuhängen.

Genau dieses Frage scheint hier ziemlich jeden zu beschäftigen. Die Versuche mit der Thematik umzugehen, zeigen eine erstaunliche Vielfalt. Von angeregten Diskussionen der Neuankömmlinge bis hin zur zeitlosen Gleichgültigkeit der Langzeitlieger. Hängengebliebene Yachties, Lebenskünstler und so manch menschliche Unikate haben ihre eigenen Lösungen gefunden und runden das Bild ab. So wie der aus Österreich stammende Nikola. 71 Jahre alt, ein Leben lang auf See, hängt er schon seit 15 Jahren mit seiner Albatros in den Mangroven von Hog Island. Mit Frau Silvie lebt er vom Abwracken gestrandeter Schiffe und dem Handel mit Ersatzeilen. Aber auch Wracktauchen, Propeller absprengen, Bleikiele hochkranen, Schiffe freischleppen gehören zu seinen Tätigkeiten. Er freut sich sehr über unseren Besuch und besonders über die Gelegenheit wieder einmal auf österreichisch zu kommunizieren.

Um dem Bordalltag ein wenig aus dem Weg zu gehen, erkunden wir via Sammeltaxi den Mt. Carmel Waterfall und den Norden der Insel. Wir schwimmen im Naturbasin des Wasserfalls und genießen eine wunderbar erfrischende Süßwasserdusche – ein Erlebnis, das man in den feuchtheißen Tropen desöfteren herbeisehnt.

Wir treffen einige der österreichischen Fahrtensegler wieder und verbringen so manchen geselligen Abend. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch hilft unserer Community. Neben existenziellen Grundsatzfragen über die weitere Vorgangsweise kommen aber auch Probleme des täglichen Lebens hinzu. Unser Dinghie benötigt dringend mehr PS, die Buchten werden größer und die auch bei schlechtem Wetter zu bewältigenden Strecken an Land länger. Nicht wirklich easy hier, einen passenden Gebrauchtmotor zu finden.

So setzt sich die Liste der benötigten Dinge endlos fort, Unmengen von Geld könnte man noch investieren, wenn man es hat! Glücklich die Reisenden, die bereits bis zum Ruhestand vor- oder ausgesorgt haben, es erleichtert die Sache ungemein. Und so fallen für uns Abenteurer, Freigeister, Individualisten oder eben halt die masochistischen Spinner, die wir zeitweilig sind, schon einige Optionen flach.

Mit einem festgelegtem Budget, unter Strapazen, mit vielen Entbehrungen, um die Kugel zu hetzen und am Ende zu erkennen, daß man eigentlich zu wenig von der Welt gesehen hat, ist für uns nicht befriedigend. Zeit lassen, Land und Leute kennen lernen ist ein erklärtes Ziel. Dazu benötigt man allerdings wiederum die nötigen Mittel, die Bereitschaft loszulassen, sich zu integrieren und wenn möglich, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen.

Die nächste Zeit wird eine Entscheidung bringen, wie immer sie auch aussehen mag. Es haben sich einige interessante Möglichkeiten aufgetan, wir werden sehen. Hog Island ist ein guter Platz zum Nachdenken und von unseren karibischen Freunden haben wir schon gelernt, solche Dinge immer mit einem Lächeln und einer Portion Love & Peace anzupacken. Man kann sich dafür aber schon mal den einen oder anderen karibischen Moment Zeit nehmen… 🙂

Grenada – Gewürze, Sammeltaxis und Osterdrachen – 26.04.2014

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Puuuh!! Geschafft. Soweit, so gut, wir ankern wieder vor Grenada Marine. Mein überall Muskelkater läßt langsam nach und Antihistamin-Tabletten benötige ich auch keine mehr. Der unerträgliche Juckreiz, eine Reaktion auf eine spezielle Antifouling-Mixtur, die ich in den letzten Tagen auf mein Unterwasserschiff aufgetragen habe, ist ebenfalls am Abklingen. Nach zwei Jahren war die Wirkung des Antifoulings am Ende, der Bewuchs bei einer 28° warmen Wassertemperatur ist enorm. Seit der Tyrrel Bay auf Carriacou waren wir gemeinsam mit der SY Esperanza Richtung Süden unterwegs. Ein angeschlagener Motor macht Florian und Martina Kopfzerbrechen und so beschließen Conny und ich kurzerhand, die beiden in Grenada Marine zu besuchen und bei der bevorstehenden Motorrevision zu unterstützen.

Die familiär geführte Marina im Süden von Grenada ermöglicht ihrer Kundschaft bei Service- und Reparaturarbeiten selbst Hand anzulegen. Ein kürzlich entdecktes, ausgemergeltes Stevenlager der Alien festigt so den Entschluß, gleich hier in Grenada Marine zu kranen und ein Service am Unterwasserschiff durchzuführen. Versorgung mit Technik, Sanitär, Wasser, freies Wifi, Laundry und dgl. ist vorhanden. Was wir aber wirklich sehr vermissen, ist ein Minimarkt. Frisches Brot und Grundbedürfnisse des Lebens sind hier seit Hurricane Ivan faktisch wie weggeblasen.

Also auf nach St. George`s. Aber wie? Natürlich mit dem öffentlichen Bussystem, das sind Sammeltaxis mit eigenen Routen und Regeln. Nach einem 1-Kilometer-Fußmarsch aufwärts zur Hauptstraße ist man an einer Verkehrslebensader Grenadas angelangt. Schon mal grenadinisches Sammeltaxi gefahren? Nein? Also: Brütende Hitze, bei 34° C und ein netter Fußmarsch machen dich vor Fahrtbeginn gleich einmal so richtig klebrig. Den Blick zum Horrizont gerichtet, es dauert nicht lange und ein röhrender Kleinbus, japanischer Bauart, taucht auf. Links oben, an der Windschutzscheibe ist er mit der Zahl 2 gekennzeichnet, die Linie nach St. George`s Town. Dann geht alles blitzschnell. Türe auf, für zwei ist immer noch Platz. Sagenhafte 18 Passagiere dürfen von Amts wegen befördert werden, unglaublich! In Mitteleuropa würden wir so ein Modell als 9-Sitzer bezeichnen.

Für die jüngeren Piloten dieser 2,5 Liter/16 V Reisbomber sind natürlich coole Aufkleber, Breitreifen und ein riesiges Auspuffendstück ein Must-have! Sehr bemerkenswert, selbst wenn alle Instrumente am Armaturenbrett den Dienst schon lange eingestellt haben, die Carribe local music brüllt hier aus jeder Kiste. Ohne Autoradio geht hier gar nix! Also los gehts! Rums, die Schiebetür ist zu, die Passagiere im wahrsten Sinne des Wortes geschlichtet. Es beginnt eine Fahrt durch das hügelige Land, ca. 25 Killometer nach St. George`s. Ähnlich wie eine Achterbahnfahrt im Prater, nur ohne TüV und Gurt. Verkehrsregeln sind eher Richtlinien, kommuniziert wird per Hupe. Rote Ampeln werden widerwillig, aber doch, befolgt. Immer wieder steigen Menschen ein und aus, der bei der Schiebetüre sitzende Schaffner hat alles im Griff, kommuniziert halb aus dem Fenster hängend mit seiner Umwelt, kennt alle Tarife und hat sogar Wechselgeld. Weiter geht die wilde Jagd, rechts ein Felsen, links ein Abgrund, Kinder, Hunde, Ziegen, alles kein Problem. Für mich ist solche Fahrweise nicht neu und immer wieder amüsant. An Connys erweiterten Pupillen und dem starren Gesichtsausdruck erkenne ich Fassungslosigkeit über die Art und Weise, wie der Lenker anscheinend mit ihrem Leben und dem der anderen 17 Personen spielt. Als wir dann den quirligen Klein-Busbahnhof im Marktviertel der Hauptstadt unbeschadet erreichen, ist die Welt aber wieder in Ordnung und der Adrenalinspiegel hat wieder normale Werte erreicht. Ist halt so, andere Länder, andere Sitten!

Mehrmals besuchen wir mit dem inseltypischen Massenverkehrsmittel Fisch-/Gemüse- und Gewürzmarkt in St. Georges. Es gibt hier viele interessante Gewürze und Kochzutaten zu entdecken. Cocoa-Balls (= reiner Bio Kakao), native Vanille-Essenzen, div. Currys, Süßkartoffeln, Yams-Wurzeln, Brotfrucht, Callaloo (= Blattspinat ähnliches Gemüse), nur um einige davon zu nennen. Habt ihr jemals eine Banane gekostet, die nach Apfel, Sorte Granny Smith, schmeckt? Mmmhhh! Ein Genuß diese sogenannten apple bananas! Allerfrischeste Thun- oder Mahi Mahi Fischsteaks gefällig? Für wenig Geld bekommen wir hier beste Qualität geliefert! Abgesehen von der grenadinischen Brotmisere kommen wir kulinarisch auf unsere Kosten. So kommt es dann auch dazu, dass von der Bordfrau nach langer Zeit wieder einmal einige Brotbackversuche unternommen werden. Und mit Martinas tatkräftiger Unterstützung werden wir nach langer Abstinenz endlich mit herrlichem Bauernbrot belohnt.

Wie verbringt man in Grenada seine Freizeit? Nun, wer sportlich und körperbewußt ist, sollte unbedingt bei einem, der mittlererweile schon ein wenig zur Tradition gewordenen, Hash Runs teilnehmen (zu dt. „Schnitzeljagd“). Es handelt sich hierbei um eine nicht ganz zu ernst nehmende Laufveranstaltung, bei der die Teilnehmer auch schon mal ganz absichtlich in die Irre geführt werden. Nach dem Motto „Drinkers with a running problem“, wird gelaufen, gewandert, geschlendert. Teilweise mit Kindern, Hunden oder aber auch mit dem Affen. Wieder einmal von den Engländern ins Leben gerufen, ist es heute mehr ein gesellschaftliches Ereignis. Und wem das auch nicht gefällt, packt seinen „Kite“ und läßt diesen in die Lüfte steigen. Die Kites sind selbstgebastelte, aus Bambusstäben, Schnüren und Müllsäcken hergestellte Drachen. Vor allem in der Fastenzeit, vor Ostern, fliegen sie traditionsgemäß hoch am Himmel und jeder einzelne gibt durch eine gespannte Saite einen speziellen Ton von sich. Wir beobachten, dass diese Disziplin von den Locals nicht nur in der Osterzeit, sondern ganzjährig und zu jeder Tages- und Nachtzeit, betrieben wird. Des Nächtens glaubt man schon mal an einen heimtückischen Moskito-Angriff, der sich dann aber als surrendes, fliegendes Etwas am Himmel herausstellt.

In der Zwischenzeit sind die aus Österreich per Fed Ex gesendeten Ersatzteile eingetroffen, die „Esperanza“ an Land und die Arbeiten an Florian`s Motor können beginnen. Die „Angicamaro“ ist auch schon auf dem Weg hier her und es sieht nach einer gemütlichen Geburtstagsfeier für Roland und Annemarie bei BBQ am Strand aus. Es ist immer ein besonderes Ereigniss, wenn sich die österreichischen Crews unterwegs über den Weg laufen. Wiedersehen und Abschied sind ein Teil des Seglerlebens.

Der Sommer zieht auch hier in`s Land, die Segelsaison in der Karibik geht dem Ende zu, viele Schiffe werden an Land gekrant und sturmsicher gemacht. Eine mehr oder wenig dauernde Segelpause mit Heimreisen steht für viele von den Besatzungen auf dem Programm. Auch Conny hat bereits einen Flug nach Wien gebucht, einiges ist zu erledigen. Die Alien bleibt im Wasser und so werde ich als guter Kapitän die Stellung halten und zweimal am Tag den Wetterbericht genau studieren. Sich in diesen Gewässern im Sommer aufzuhalten erzeugt immer ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend. Zu tief haben sich Bilder von verwüsteten, aufgegebenen Schiffen eingeprägt. Das Glück trifft den der vorbereitet ist, also werde ich versuchen, jederzeit startklar zu sein um nötigenfalls in einer Ruck-Zuck-Aktion das Schiff weiter nach Süden zu verlegen. Aber vorher werden mich meine kulinarischen Gelüste noch einmal zurück auf eine französiche Insel führen. Zu verführerisch, die Leckereien, die dort auf mich warten…. Lechz…. Jemand von euch dabei, der mich bei diesem Unterfangen unterstützen möchte? Eine schön gepflegte, aufgeräumte Kabine der Bordfrau steht zur Verfügung. Sie wird diese erst wieder in einigen Monaten brauchen. In der Zwischenzeit werde ich sicherlich für das ein oder andere Segelabenteuer zu haben sein, auch Einhand-Erfahrungen sammeln und gemütliche Törns stehen auf dem Programm.

Nachdem die Arbeiten an der Esperanza begonnen haben, freuen wir uns, in absehbarer Zeit den Süden Grenadas zu erkunden und nach Hog-Island aufzubrechen. Neue Abenteur warten…

Tobago Cays und die Inseln des Richie Rich – 28.03.2014

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Die Tobago Cays sind für jeden, der mit „Karibik“ etwas anzufangen weiß, ein Begriff. Auch wir werfen unseren Anker in den Korallensand, zwischen zwei idyllischen Inselchen, um uns herum türkisfarbiges Wasser. Die Nase des Schiffes zeigt nach Osten und nur ein vorgelagertes Riff schützt uns vor den Urgewalten des Atlantik. Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ist dass monotone, immer leicht auf- und abschwellende Geräusch des Passatwinds zu hören. Sofort werden Erinnerungen an unsere Atlantikpassage wach, instinktiv reagiert der Körper nachts mit gesteigerter Aufmerksamkeit. Bei der kleinsten Unregelmäßigkeit schaltet das Unterbewußtsein sofort in den Wachmodus und lässt unsere Nachtruhe etwas unruhiger werden. Die Windward Islands machen ihrem Namen alle Ehre!

Zweifellos ein schöner Ort, der Tourismus hat jedoch auch leider hier seine verräterischen Spuren hinterlassen. Charter-Katamarane fahren wie Linienbusse ein und aus, damit auch wirklich jeder, der dafür bezahlt hat, diese Destination abhaken kann. Die wirklich schönen Flecken aber, die einsamen Lagunen mit Natur-Jacuzzis und atemberaubendem Blick auf die Cays, haben sich schon vor Jahrzehnten mächtige Lobbys unter den Nagel gerissen. In diese abgelegenen Resorts, ein solches befindet sich auf der Insel Canouan, führen breite, betonierte Straßen deren Ränder liebevoll von Gärtnerhand gepflegt erscheinen. Ein solcher „Highway“ endet dann vor einem pompösen, im Verhältnis zu den ärmlichen Hütten der Einheimischen, dekadent wirkenden, luxuriösen Eingang zum Golf- und Spielerparadies der Reichen – nein, dem Spielplatz der absolut (ab)gehobenen Gesellschaft. Für uns Normalsterblichen ist beim Wachmann Osbourne Endstation. Aber für 120 US Dollar pro Person würde die Möglichkeit bestehen, das Resort zu betreten und einige wenige Spots besuchen zu dürfen. Nein danke, nichts für uns!

Wie uns später klar wird, dient diese schön betonierte Straße auf Canouan (nur 5 Meilen nördlich der Cays) vor allem dazu, die gut betuchten Gäste des Luxus Resorts vom Privatflughafen am anderen Ende der Insel, in angemessenen Nobelkarossen, heranzukarren. Eine einzige Übernächtigung im Bungalow mit 6 Schlafzimmern beläuft sich auf läppische 20.000 USD, Steuern, Trinkgelder und a la carte Menüs sind selbstverständlich extra zu berappen. Das Buchen des Lear Jets der ansässigen Privat-Airline übernimmt gerne die Rezeption. Weder das exklusive Spielcasino noch der Haupttrakt eines Hotels in Adlerhorstlage werden auf der Website des „Unternehmens“ erwähnt. Also, noch privater als privat….

Ein paar Meilen weiter nordöstlich – Mustique, die Insel der Schauspieler und Musiker. Mick Jagger, Johnny Depp, Dana Gillespie und viele andere geben sich hier ein Stelldichein und in den hiesigen Lokalen kann man die Stars hin und wieder sogar hautnah erleben. So auch beim alljährlichen Mustique Blues Festivall wo es sich die Berühmtheiten nicht nehmen lassen, schon mal für eine kurze Einlage auf der Bühne loszulegen. Tatsache ist, auf den Grenadinen, dem Set der Pirates of the Carribean Filme, prallen exklusivster Luxus und die Armut der einheimischen Bevölkerung aufeinander. Unglaubliche Gegensätze, aber trotzdem ein friedliches Miteinander.

Was wir bisher zu sehen bekommen haben, zeigt uns deutlich, die Krise ist auch hier angekommen. Leere Hotels und Lokale, vor sich hin gamelnde Wassersportgeräte, spärlich besuchte Strände, bestätigen diesen Eindruck. Der schnelle Geldsegen aus den Taschen der Touristen, speziell aus der Mittelschicht, fehlt. Auch im wohlverdienten Urlaub hat man auf sein Portmonait zu achten. Für die Locals nicht wirklich ein Problem, obwohl der Konkurenzkampf zwischen ihnen dadurch deutlich härter wird. Die Leute auf den Inseln haben über Jahrhunderte gelernt, unter widrigsten Umständen zu leben. In früheren Zeiten haben ihnen die Sklaverei, Franzosen und Engländer das Leben schwer gemacht. Jetzt wird das von den Kapitalisten übernommen. Der Lebensfreude, und der Herzlichkeit der Menschen, der man allerorts begegnet, tut das trotzdem keinen Abbruch. Schon verblüffend, wie häufig wir auf den Straßen von fremden Menschen gegrüßt und nach unserem Befinden gefragt werden. Viele Europäer sind auch darunter. Einige davon sind Aussteiger oder Gewerbetreibende, die schlechte Wirtschaftslage und die Wetterbedingungen in Europa haben sie hierher verschlagen. Verständlich, wenigstens das Klima ist meistens angenehm. Die Luxusresorts, die kratzt das alles herzlich wenig, deren Klientel ist krisensicher, Kinder und Kindeskinder werden auch noch in Zukunft dieses exklusive Ambiente genießen können.

Union Island, die südlichste Insel, ist unsere letzte Station auf den Grenadinen. Vorerst nur als Zwischenstation gedacht, entpuppt sie sich jedoch als besonderes Fleckchen Erde. Clifton Harbour, ein von mehreren Riffen geschützter Naturhafen, wo wir vor Anker liegen, bietet so einiges. Freundliche Menschen, gemütliche Lokale, viele urige Obst- und Gemüsemärkte und einen französischen Delikatessenladen. Jedenfalls genug, um wieder ein bißchen Abwechslung in unseren Speiseplan zu bringen. Saftig süße Mangos und Papayas, Sapote-Früchte, fangfrischer Fisch und guter italienischer Capucchino verwöhnen unseren etwas vernachlässigten Gaumen. Bei Rosie und Yomo besorgen wir köstliches Bananenbrot und herzhaftes Baguette zu einem für die Karibik fairen Preis.

Unser 4-wöchiges Cruising Permit läuft aus und so werden wir bald in Richtung Carriacou (Grenada) aufbrechen und uns von den Grenadinen verabschieden. Schön zu wissen, dass in der Tyrrel Bay Wiener Schmäh und ein Abendessen mit unseren Segelfreunden Martina und Florian von der SY Esperanza auf uns warten….

Angekommen, Martinique bis Bequia – 03.03.2014

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Schülerinnen

Nach nun 4 Wochen in der Karibik haben wir uns definitiv entschleunigt, slow down ist angesagt. Der Aufenthalt in Le Marin hat uns perfekt auf die Karibik eingestimmt, das Klima ist warm und angenehm. 28 Grad und eine leichte Brise fühlen sich paradiesisch gut an, das Panorma mit Palmen und üppigem Grün verwöhnt das Auge. Trotzdem befindet man sich in der EU und dementsprechend gut ist die Versorgung. Alles, was das Herz begehrt, großer Supermarkt – Leaderprice, direkt an der riesigen, gut geschützten Ankerbucht Cul de Sac. Selbstverständlich mit eigenem Dinghianleger und Einkaufstrolleys gleich am Steg. Am Kopfende der Bucht, eine großzügig angelegte Marina. Wasser, Diesel, Ausrüstung und Ersatzteile zu leistbaren Preisen. Der Luxus einer heißen Dusche und die für uns erschwinglichen Möglichkeiten auch einmal auswärts zu speisen, tragen zusätzlich zu unserem Wohlbefinden bei. Übrigens, noch nie so gute Cevapi gegessen, wie im Lokal „Le Kaz Dalle“, gegenüber des neuen Marina-Teils. Pleskavica & Co werden vom serbischen Inhaber persönlich und mit viel Liebe zubereitet. „Ganz heißer Tip“ bedankte sich da auch unser Ankerplatznachbar Max aus Bayern, ein schon etwas älterer Herr und weit bereister Segler.

In der riesigen Bucht ankern auch viele Schiffe, die ihrem Schicksal selbst überlassen wurden. Von einigen sieht man nur mehr die Mastspitze und das Ausschlachten und Verkaufen von gebrauchten Ersatzteilen hat sich zu einem regen Wirtschaftszweig entwickelt. Irgendwie unheimlich, wenn man an den sichtlich gezeichneten Booten vorbeifährt. Die Abenteuer, die sie durchlebt haben müssen, kann man nur erahnen. Einige von ihnen trotzen schon viele Jahre, verlassen und und einsam den Elementen und warten wie treue Hunde auf ihre nie wieder zurückkehrenden Eigentümer. Andere sind vom letzten Sturm in die Mangroven gespült worden. Auf Legerwall gegangene Rümpfe werden als Wegweiser verwendet. Skuril, aber man spürt die zur See gefahrene Vergangenheit dieser Region.

Bis auf eine sich lösende Naht des Sonnenschutzes unserer Starkwind-Genua haben wir am Schiff keinerlei Schäden nach der Überquerung zu verzeichnen. Es bleibt also das Schiff aufzuklarieren, Wäsche zu waschen, randvoll aufzubunkern und natürlich das Allerwichtigste — zu limen… Das ist eine Disziplin, die man hier wunderbar erlernen kann. Der Unterschied zum Chillen ist einfach. Ein Chiller will gesehen werden, der Limer will seine Ruhe. Also befinden wir uns eindeutig auf der Seite dieser Spezies und üben diese vielseits in Vergessenheit geratene Beschäftigung erfolgreich in der Badebucht von St. Anne aus. St. Anne ist so eine kitschige Postkartenkulisse, 3 Meilen südlich der Cul de Sac, wo man nach dem Sundowner das herrliche Panorama mit einem Grinsen auf dem Gesicht genießt.

Wir beschließen, nach ein bisserl Baden und viel Liming den Weg nach Süden fortzusetzen. Abschied von relativ billiger Versorgung und unkomplizierter Bürokratie. Aufbruch zu den ursprünglicheren Plätzen der Region. Ab jetzt wird die Sicherheitsstufe des Schiffes und seiner Besatzung auf gelb erhöht. Selbstschutz und Vorsorge gegen Kleinkriminalität sind ab jetzt ein Thema. Die uns zu Ohren gekommene Bilanz seit wir angekommen sind: Fort de France – ein an Land überfallener Segler mit Folge von Körperverletzung, St. Lucia Süd – ein bei einem Überfall an Bord getöteter, britischer Kollege. Von französischen Segelfreunden erfahren wir später, dass er unser Nachbar in der Marina Lanzarote war.

Speziell in diesem Jahr sind die Windverhältnisse auch hier nicht ganz so wie gewohnt. Groß, Fock und Genua im Reff, raumiger Wind, steife Brise. Da spritzt das Wasser schon mal bis hoch zum Großsegel, besonders in den Passagen zwischen den Inseln gehört Starkwind zur Tagesordnung.

Nach einem flotten 40-Meilen-Übersegler in die Marigot Bay auf St. Lucia, finden wir uns in einer sehr schönen Umgebung wieder. Ein sicheres Hurrican Hole und ehemaliger Piratenstützpunkt an der Westküste, von grünen Hügeln umgeben, eingesäumt von vielen Palmen, wo geschmackvolle kleine Villen aus der Adlerhorstperspektive weit über Land und Meer blicken. Anker runter, Beiboot klar und los geht das Erkunden. Ab jetzt prägen Boatboys das Bild. Manchmal mag man es als lästig empfinden, aber ich verstehe durchaus, dass die Menschen hier mit allen Mitteln versuchen, sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Die Locals sind sehr hilfsbereit, besorgen einem alles was man braucht. Das tägliche Leben ist aber empfindlich teurer als gewohnt und jeder von ihnen möchte seinen Deal machen.

Es empfiehlt sich in so einem Fall, sich nicht nur aus wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Überlegungen heraus, einer örtlichen Gruppierung anzuschließen. So erfährt man mehr über Land und Leute, denn Insiderinfos sind bekanntlich sehr wertvoll. Schon zweit Tage nach Ankunft in der Bay lernen wir Rastaman und Boatboy Jaecome kennen, der ab jetzt für all unsere Wünsche zuständig ist. Mit einer badewannenartigen Schwimmkonstruktion paddelt er gemächlich, mit etwas Obst und Gemüse zum Verkauf, im Ankerfeld herum. Ich unterhalte mich mit ihm und schon nach kurzer Zeit fühle ich eine Gemeinsamkeit zu dem wie und was er zu sagen hat. Yeah men! – das sind unsere Jungs. Zusammengestoßene Faust und auf das Herz klopfen für „Peace“ ist der Gruß und das Zeichen der Rastafari. Love, Peace, Respect. Alles klar, ergo, Gruppe gefunden! Von Jaecomes Freund, Fisherman John, erhalten wir fangfrischen Red Snapper, eine wahre Delikatesse. Wir bekommen eine Unterweisung im Fische putzen und deren Zubereitung. John genießt sichtlich das Interesse an seinem Beruf. Als er großen Gefallen an Conny´s Keramik-Messer findet, dass sie ihm zum Ausnehmen der Fische leiht, macht sie ihm das Messer kurzerhand zum Geschenk. Es soll ihm seine Arbeit ein wenig erleichtern. Das Strahlen auf seinem Gesicht spricht Bände. Yeah, men!

Es gibt aber auch Erlebnisse anderer Art. Als sich nächtens, bei völliger Dunkelheit, einer der hiesigen Flechter singend und lallend unserem Boot nähert, ist klar, das könnte anstrengend werden. Da wir nicht unhöflich sein möchten, bestaunen wir seine Werke. Der anscheinend zu große Alkoholkonsum nötigt ihn, sich möglicherweise landesüblich, auf dem Wasser zu erleichtern. Die daraufhin folgende lautstarke Zurechtweisung sich nicht zu entleeren, während er mit mir spricht oder womöglich dabei auch noch mein Boot zu bekleckern, war offensichtlich weit zu hören. Da er selbst erkennt, gegen das Gebot des Respekts verstoßen zu haben, gebe ich ihm noch ein paar Münzen mit auf den Weg worauf er schuldbewusst von dannen zieht. Die Situation hat sich entspannt, Ruhe wieder hergestellt.

Und dann, ein ganz besonderer Moment. Die Happy Hour trifft ein, Wiedersehen mit Sean und Jane, unseren britischen Segelfreunden. Sie haben der Royal Air Force den Rücken gekehrt um so wie wir an Bord zu leben und zu reisen. Wir haben die beiden in Lefkas kennengelernt, in Gibraltar und Lanzarote getroffen und sehen uns hier in der Marigot Bay wieder. Bewegende Momente, ein sehr schöner Abend mit Erfahrungsaustausch und Geschichten. Ein Scherzerl jagt das andere, tolle Stimmung! Am nächsten Tag beobachtet Sean eine driftende, finnische Yacht. Wir ziehen natürlich sofort los und sichern das Schiff. Großes Dankeschön von dem Eignerpaar, das kurz darauf eintrifft. Ein Albtraum, man kehrt vom Einkauf zurück und findet sein Boot nicht mehr!

Verabschiedung von unseren Freunden mit einem herzlichen und ehrlich gemeinten „Keep in contact!“ und kurz nach Mitternacht Aufbruch nach Bequia, Port Elizabeth. Dort liegt auch die Esperanza vor Anker. Ein Wiedersehen mit Florian und Martina steht auf dem Programm. Aber vorher gilt es noch 68 Meilen abzusegeln. Leider schenken wir dem Tidenstrom zu wenig Aufmerksamkeit und so erwischen uns morgens an der Südspitze von St. Lucia Tidenströme von bis zu 4 Knoten, was heißt, man steht praktisch nur in die richtige Richtung. Das Bordlog zeigt uns 4,5 Knoten, das GPS sagt 0 über Grund. Hmmm….. Diese Unachtsamkeit wird sich später mit 18 mehr gefahrenen Meilen zu Buche schlagen.

Nach 15 Stunden passieren wir die Einfahrt der Admirality Bay in Bequia.  Schon von weitem sichtbar ein Segler der Star Clipper Flotte, ein mit 5 Masten ausgestattetes Segelschiff der Extraklasse. Wir ankern gleich neben der Esperanza. Florian und Martina erwarten uns bereits. Begrüßung mit einem eisgekühlten, schmackhaften Sundowner, einer Pina Colada. Großes Hallo und große Freude alle gesund und munter wiederzusehen. Tags darauf treffen wir uns zum gemeinsamen Abendessen und Tratsch. Resüme des Erlebten, auch hier hilfreicher Informationsaustausch. Ein technisches Hoppala bremst die Abfahrt der Esperanza etwas, meine technische Hilfestellung trägt Früchte und ist sehr willkommen. Wir freuen uns schon auf das Abendessen in Grenada, Florian! Zwei Tage später sehen wir den beiden beim Auslaufen nach. Da unser Zeitplan nicht eng gestrickt ist, besteht kein Grund zur Eile. Somit widmen wir uns sofort wieder einer wichtigen Aufgabe – Liming, Liming, Liming…….

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