IONISCHES MEER

„Salve Siracusa“ – 21.06.2013

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Endlich tut sich ein günstiges Wetterfenster für uns auf! Die Unwetter über Mitteleuropa bringen uns für drei Tage eine günstige Nordlage. Der zermürbende Westwind macht eine kurze Pause und auch die Crew der SY Rover, die wir an der Stadtmole von Argostoli kennen lernten, wollen nach Sizilien aufbrechen.

Kurzerhand beschließen wir uns gemeinsam auf den Weg zu machen. Am Donnerstag, den 13. Juni, 13 Uhr, Anker auf. In Sichtweite folgen uns Georg und Margrit. Nach 50 Meilen werden aus prophezeiten 4 Windstärken satte 5 und die Welle bis zu 3 Meter lässt den Übersegler zum Husarenritt werden. Aber wir machen auch bei schwerem Wetter mit Fock und gerefftem Groß 5 Knoten, genau Kurs West. So kommen wir gut voran. Nach 24 Stunden beruhigt sich die See und eine entspannende Nachtfahrt bringt uns bis unter die italienische Küste. Der regelmäßige Funkkontakt mit Margrit und Georg gibt uns gegenseitig zusätzliche Sicherheit, auch die Rovers wurden etwas durchgeschüttelt.

Nachdem sich die See endlich beruhigt hat, erleben wir entspanntes Blauwassersegeln mit anschließender Flaute. Aber auch das wird mit der Gesellschaft von Delphinen, die uns eine Weile begleiteten, zu einem unvergesslichen Erlebnis. Als dann auch noch an Steuerbord Monte Etna majestätisch auftaucht, fühlen wir eine große Zufriedenheit in uns.

Dunkelheit. Eine überfallsartige Kontrolle der Küstenwache um fünf Uhr morgens, während wir in das Hafenbecken einlaufen, lässt den Adrenalinspiegel noch einmal aprupt ansteigen. Nein, wir sind keine Schmuggler und Flüchtlinge transportieren wir auch nicht. Alles klar! Nur Österreicher.

Im Morgengrauen, nach 60 Stunden und 310 gelogten Seemeilen, fällt unser Anker vor der prächtigen Altstadtkulisse in Siracusa. Geschlaucht und mit einem Lächeln auf den Lippen entschlummern wir, während die südländische Stadt erwacht.

Sirscusa, eine quirlige Stadt, zieht uns in ihren Bann und la dolce vita macht sich breit. Eine imposante Kulisse, im 8. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen gegründet, und immer noch sehr geschichtsträchtig. Eine Jam-Session der lokalen Gipsy Kings am Stadtkai vermittelt pure Lebensfreude und das reichhaltige Angebot des Mercato lässt wahre Gaumenfreuden erahnen.

Auch hier, in Sizilien, zeigt uns unsere Intuition den richtigen Weg zu besonderen Menschen. Wir treffen Sam, den britischen Segelmacher. Er selbst ist, auf dem Weg die Welt zu erkunden, vor 18 Monaten und frisch verliebt, hier hängen geblieben. Ebenfalls eine verwandte Weltenbummlerseele, denn auch ihn zieht es langsam wieder weiter. Seine Künste verhelfen uns unter anderem zu einem neuen Cover für unser Dingi. Sofort werden wir von ihm eingeladen, das diesjährige Musik-Festival in der Altstadt zu besuchen.

Unsere Vorräte werden ergänzt und unser nächstes Ziel soll Portopalo an der Südostspitze Siziliens sein. Dort wollen wir im klaren Wasser ausgiebig baden um dann an der Westküste entlang zu den Egadi Islands zu segeln. Komm Zigan, wir ziehen weiter…..

Ithaka und Kefalonia, Odysseus und die Aliens – 05.06.2013

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Um das Festwachsen unseres Bootes in der Marina zu verhindern, beschließen wir Lefkada zu verlassen. Der Drang nach Veränderung stellt sich ein. Nach einer herzlichen Verabschiedung durch unsere Freunde von der Skope, sind wir endlich wieder unterwegs.

Vorbei an der Insel Scorpio, die einst Onassis gehörte, passieren wir den Osten von Lefkas. Guter Wind bläst uns geradewegs nach Ithaka. Dort gibt es noch keinen Flugplatz und dementsprechend idyllisch ist das Leben dort. Penelope und Odysseus sind allgegenwärtig. Seine Reiseprobleme sind allseits bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass auch wir eine abenteuerliche Fahrt von dort aus starten.

Beim Versuch Sizilien zu erreichen, erleben wir im ionischen Meer Waschmaschine pur. Da Kurs Ägypten nicht wirklich hilfreich erscheint, beschließen wir abzudrehen und bessere Bedingungen abzuwarten. Nach 24 Stunden und 98 Meilen finden wir uns, gezeichnet von den Anstrengungen, im wunderschönen Argostoli auf der Insel Kefalonia wieder.

Ankern im Ententeich. Dort erwartet uns in der Taverne gleich beim Ankerplatz gutes Essen, freundliche Menschen und obendrauf noch eine Dusche. Segler, was willst du mehr! Kurzum, die schönste Stadt, die wir in Griechenland bis jetzt entdeckt haben. Sehr empfehlenswert!

Wieder einmal abwarten heißt es jetzt, was uns sicherlich nicht schwer fallen wird.

Frühling in Lefkada – 22.04.2013

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Unser Aufenthalt in Lefkada dauert nun schon etwas länger als ursprünglich gedacht. Martin, ein Seglerkollege aus Deutschland, baut hier seine 60 Fuß Segelyacht um. Er hat sich kurzerhand einen Liegeplatz für 25 Jahre in der Marina gekauft und sellt uns freundlicherweise seinen Wasserliegeplatz für zwei weitere Monate kostenlos zur Verfügung. Damit haben wir nun die Möglichkeit, unsere Weiterreise Richtung Westen mit all dem Komfort einer Marina vorzubereiten.

Da Martin ein Perfektionist ist und über einen 10 Fuß Werkzeugkontainer direkt vor Ort verfügt, ergeben sich für uns ungeahnte Möglichkeiten. Aus den Reststücken seines allerfeinsten, 8 mm getönten Acryl-Plexiglases, können wir für Alien neue Fenster zaubern und schon haben wir wieder den vollen Durchblick! Und noch so manches weitere Stück edlen Materials können wir auch sehr gut für unser Schiff gebrauchen. Ein weiterer Glücksfall beschert uns dann auch noch ein Motorrad. Martins BMW 650 braucht dringend ein Service. Ein klarer Fall für Schmidlmoto. Ehrensache! Da er für eine Woche nicht vor Ort ist, dürfen wir das Bike auch gerne benützen!

Und dann haben Sie mich erwischt. Ich wollte meinen 50igsten Geburtstag geheim halten, aber die Bordfrau hat gepetzt. Da gab es bei unseren britischen Freunden kein Entkommen. Gleich zwei ganz tolle Partys, an aufeinander folgenden Tagen, haben meiner Bordfrau und mir schwere Schlagseite beschert. Gnadenlos, die Briten. Another reason for drinking, wie es unser Freund Costas so schön formuliert hat. Na ja, aus der Bikerzeit bin ich so einiges gewöhnt…

Alles in allem war dieser Abstecher nach Griechenland ein besonderer Glücksfall. Da auch hier in Lefkas im Frühling das Wetter extrem verrückt gespielt hat sind wir besonders froh, einen sicheren Liegeplatz und gute Freunde gefunden zu haben. Windböen bis Stärke zehn, Hagel und Starkregen gibt es hier in den gemäßigten Zonen des ionischen Meeres nicht sehr oft.

Nun ist allerdings die Wetterlage schon stabiler und der Drang weiterzufahren macht sich bei Conny und mir schon bemerkbar. Anfang Mai steht noch eine ausgedehnte Tour in der ionischen Inselwelt auf dem Programm bevor wir unsere lieb gewonnene Zwischenstation hier in Lefkada verlassen und Richtung Sizilien aufbrechen.

Kurzbesuch in Wien – 28.02.2013

Brüder
Eisenbahnmuseum
Mold
Terrasse mit Schnee

Nach unserer ersten Begegnung mit der griechischen Lebensweise und Kultur nehmen wir die Gelegenheit einer günstigen Flugverbindung über Athen nach Wien wahr. Sonnige 20 Grad in Athen, Wien Schwechat 3 Grad (immerhin +) und Nebel. Der Schock sitzt tief und die Kälte fährt einem sprichwörtlich in die Knochen. Das ist der unangenehme Teil unseres Trips. Das grausige Wetter hier kann einem wirklich den Tag vermiesen. Ganz deutlich ist dies auch auf den Gesichtern der Leute zu sehen.

Und dann die medialen Themen: Politik im Würgegriff der Wirtschaft, Angstmacherei, allgemeine Verunsicherung und sinnlose Kaufzwänge aus der Werbung. So werden hier zu Lande die Menschen vom Denken abgelenkt. Gute Taktik! Gott sei Dank können wir auf diese Zwangsbeglückung unterwegs verzichten, das ist ein wahrer Luxus!

Wir lassen uns die Laune aber nicht vermiesen, entschließen uns dafür doch selbst zu denken und freuen uns schon auf unsere Liebsten. Herzliches Wiedersehen bei den Eltern, und eine ganz besondere Freude für mich ist es, meinen Sohn Daniel wieder in den Arm zu nehmen zu können!

Fröhliche Treffen und Austausch von Erlebtem mit Freunden lassen die Abende im Flug vergehen. Interessanterweise scheint so ein Aufbruch in neue Abenteuer die Zeit langsamer vergehen zu lassen. Die zu Hause gebliebenen berichten, das es Ihnen vorkommt, als ob wir uns erst gestern das letzte Mal getroffen hätten. Die Aliens allerdings sind der Meinung, ein gefühltes Jahr wäre das her! Auf unserer Reise ist von Langeweile keine Spur, täglich neue Eindrücke und Abenteuer. Nahrung pur für unser Gehirn.

Das Treffen der Karlsteiner Uhrmacherbrüder ist immer etwas ganz besonderes, immerhin sind wir seit Jugendtagen dicke Freunde. Wir werden mit einer neuen Borduhr versorgt und es ist immer ein Genuß, den guten Humor dieser Stunden voll auszukosten! Selten so gelacht…

Ein ganz besonderes Highlight ist das Wiedersehen mit meinem Busenfreund Andreas. Flugs hat er einen fahrbaren Untersatz für uns, löst technische Probleme der Alien und versorgt uns mit einem Bordschweißgerät Marke Eigenbau. Man weiß ja nie, meint er. Konversation vom feinsten, die neuesten Erfindungen anschauen und meinen Senf dazugeben. Der Kerl ist unglaublich, ein felsenfester Rückhalt in der Heimat.

Wir haben ausgesprochenes Winterwetter erwischt. Und so ist es nicht verwunderlich, daß sich bald die Sehnsucht nach Fortsetzung unserer Reise breit macht. Einkaufen, to do Liste abarbeiten, zwei Pakete mit der Post abschicken und den Flieger entern.

Flugnummer OS 802, Athen 17 Grad. 5 Stunden Autobus, dann ist es geschafft. Und als ich in der Marina den ersten Schritt auf die Alien setze, ist da ein Gefühl, nach Hause gekommen zu sein. Ein Lächeln auf den Lippen, Zufriedenheit macht sich breit…

Slow down auf Griechisch – 28.10.2012

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4000 BC
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Nachdem wir uns am Vormittag des 7. Oktober in der Marina Gouvia mit Diesel und Wasser versorgt haben, betrachten wir im Vorbeifahren die altertümliche Kulisse des old und new fortress von Kerkyra. Hier wurde definitiv Geschichte geschrieben. Die angekündigten 4 Windstärken ab mittags und aus Nord erweisen sich wieder mal als Flop und so müssen wir die Ostküste Korfus entlang motoren. An der Südspitze stellt sich dann gnadenhalber doch noch Wind aus Nordwest ein und wir segeln die letzten Meilen raumschots Richtung Paxos, der Bucht Lakka entgegen.

Der Tag geht zu Ende, ein suchender Blick durch das Fernglas zeigt jede Menge Segler vor Anker. Da es dort allerdings sehr geräumig ist, gibt es damit kein Problem. Zudem besteht hier auch die Möglichkeit, mit Buganker und Heckleinen an der kleinen Dorfmole festzumachen. Wollen wir aber nicht, da endlich chillen und baden angsagt ist. Nach einer etwas schwelligen Nacht ankern wir am Morgen um, da wir hier doch noch einige Tage verbringen wollen. Der Plan geht auf, wir schlafen wie in Abrahams Schoß. Eine Rockhütte mit wunderschönem Blick auf die Bucht trifft genau unsere Musikrichtung und lädt zum gemütlichen Verweilen ein. Wi-Fi ist auch noch gratis, Herz was willst du mehr…

Eine wirklich hübsche Ortschaft mit kleinen Geschäften, Bäckern und vielen Lokalen bringt angenehme Abwechslung in die bisher etwas stressige Reise, und wir spüren, Griechenland tickt anders. Genau das haben wir erhofft und gefunden. An zwei kleinen Stränden können endlich unsere Schwimmgelüste gestillt werden, das türkise Wasser warm, rein und klar. Straßenkatzen überall, immer auf der Suche nach Futter und Streicheleinheiten. Eine ätere aber sehr jung gebliebene Dame aus Deutschland erzählt uns von ihren in jungen Jahren gehegten Traum, alle griechischen Inseln zu besuchen. Allerdings ist sie schon bei der zweiten hängengeblieben, bereut hätte sie es niemals.

Gewitterwolken und wechselhaftes Wetter erinnern uns, wir sollten weiter. Frühmorgens, am 11. Oktober, Anker auf. Ein Druck auf den Knopf – nichts tut sich. Alien verweigert das elektrische Heben des Ankers. Nach lautem Gezetter und Geschrei meinereseits, ziehe ich den Anker manuell hoch. Doch wieder einmal erweist sich die alte Technik als reparabel. Die Kontakte im Umschalter werden gereinigt und gedreht, schon läuft die Winde wieder. Ein Tag unter Motor steht auf dem Programm. Null Wind, heute ist jedoch die letzte Möglichkeit bevor der Südoster wieder mit 5 Windstärken genau auf die Nase bläst. Wirklich unberechenbar und verrückt, das Wetter in dieser Saison!

Am Nachmittag dann die Einfahrt nach Lefkas. Auch wieder eine ganz tolle Leistung der griechischen Sicherheitsbemühungen, drei rote Tonnen, die man wenn man nicht gut informiert ist, mit Sicherheit an der falschen Seite passiert. Dort lauern dann Unterwasserfelsen, die unsichtbar bis an die Oberfläche ragen. Desöfteren kracht es hier einmal, wissen wir aus verschiedenen Erzählungen. Nun, die Marinas brauchen schließlich Arbeit, auch eine Möglichkeit die Wirtschaft anzukurbeln.

Nach der Passage der Drehbrücke erreichen wir den Stadthafen von Lefkada. Charterflottilien, meist englischer Firmen, belagern hier die Anlegeplätze am Kai. Wir finden ein freies Plätzchen und legen mit Buganker und Heckleinen an. Die Marina Lefkas offeriert ein spezielles Angebot, 20% Winterrabatt auf den Normaltarif. Für unsere Trans-Ocean Mitgliedschaft gibt es nochmal 10%. Dieses Preis-/Leistungsverhältnis kann keine andere Alternative toppen. Wir beschließen also hier zu überwintern.

In Lefkada gibt es reichlich Versorgungs- und Einkaufsmöglichkeiten, nur Restaurantbesuche schlagen hier empfindlich zu Buche. Lediglich einige Gyros- und Souvlaki Läden haben noch moderate Preise und schonen die Bordkasse. Die britische Invasion ist auch hier präsent und die deutsche Sprache ist die Ausnahme.

Am Stadtkai erwischen uns wieder einige Wetterkapriolen, unter anderem frühmorgens eine Böe aus Südwest mit Stärke 9. Die umliegenden hohen Berge sorgen immer wieder für Fallböen und Gewitter, nicht ganz ungefährlich. Nachdem wir in die Marina überstellt haben, ist uns wohler.
Dort lernen wir auch Maria und Willi kennen, ein Arztehepaar aus Oberösterreich. Beim Kranen und Trailern ihres Trimarans können wir helfen und haben es sehr lustig dabei. Auch Oliver, einen Aussteiger aus Berlin, der mit seiner 5 Meter Jolle die Ostsee und Griechenland bereist, haben wir getroffen. Sehr bewundernswert, segeln pur.

Nun machen wir es uns gemütlich, und die Zeit läuft merklich langsamer. Der Spirit of Sail ist endgültig bei uns angekommen, alles wird ruhiger, das Leben läuft bewußter und die wirklich wichtigen Dinge treten merklich in den Vordergrund. Mit Grauen sehen wir die Temperaturen in Wien, gerade einmal 2 Grad über Null, bei uns hat es noch 25. Nun, der Heimaturlaub steht bevor und die warmen Sachen müssen wohl oder übel entstaut werden…

Auf nach Korfu – 21.10.2012

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Nach intensivem Studium der Wetterberichte entscheiden wir, der 2. Oktober ist der richtige Tag für die Überfahrt nach Griechenland. Endlich hat sich dieser hartnäckige Südostwind in einen günstigen Nord-Norwest verwandelt. Da wir allerdings schon in der Vergangenheit etwas zu gutgläubig mit den Vorhersagen im Internet umgegangen sind, vertrauen wir in erster Linie auf die Navtex Vorhersagen. Auch dort schaut es gut aus. Brindisi und seine seltsame Schwerkraft verschwinden hinter uns am Horizont und unsere Alien hat guten Wind von raumschots und gleitet somit perfekt Richtung Korfu. Blauwassersegeln tut der Seele immer gut. So hatten wir uns das eigentlich vorgestellt, aber trotzdem ärgern wir uns immer noch über die verlorenen fünf Wochen.

Die Straße von Otranto, bei Dunkelheit, ist mit Vorsicht zu genießen. Dort herrscht reger Schiffsverkehr und ein Segelschiff unserer Größe ist nun mal der Schwächere. Auf dem Weg Richtung Errikousa, einer vorgelagerten Insel mit Ankermöglichkeit vor Korfu, queren wir eben diese Hauptverkehrsader. Nach Einbruch der Dunkelheit scheint auch der Verkehr zuzunehmen. Mehrere riesige Kreuzfahrtschiffe nähern sich bedrohlich und queren unseren Kurs, sie weichen jedoch alle großräumig aus und respektieren unser unter vollen Segeln laufendes Abenteuer.

Der Wind meint es immer noch gut mit uns und wir kommen sehr gut voran. Um Mitternacht gesellt sich eine Herde Delfine zu uns und begleitet uns eine gute Stunde. Sie scheinen großen Spaß zu haben. Bei den 6 Knoten die Alien nun in Richtung Süden macht, springen und schwimmen die eleganten Tiere knapp vor unserem Bug und geben uns Geleit. In den Morgenstunden erreichen wir die albanische Küste, Wind und Welle haben deutlich zugelegt. Mit kleiner Genua und Wind aus Achtern machen wir nun gute 8 Knoten, während sich die größer werdenden Wellen von hinten immer mehr aufbäumen.

Zeit für manuelles Steuern. Conny übernimmt, und ich lege mich nach der Nachtschicht in die Hundekoje. Ankern vor Errikousa wird ersatzlos gestrichen, zu unbequem bei dieser Nordlage. Also gleich weiter nach Kerkyra. Bei der Engstelle zwischen Albanien und Korfu wird es dann auch noch böig, aber der Wind aus Achtern bringt uns gut voran.

Gegen 17 Uhr legen wir im Fischerhafen in Kerkyra im Päckchen an. Mitten unter seltsamen Leuten mit seltsamen Booten. Man merkt, hier ticken die Uhren anders. Für die 149 Seemeilen haben wir 30 Stunden, davon nur vier unter Motor, gebraucht. So sollte das immer sein. Erst mal ausschlafen und sehen, wo wir da gelandet sind.

Kerkyra erscheint uns größer als erwartet, die Altstadt voll von quirligem Leben und kleine Läden überall. Die Touristen ziehen in Scharen umher, es ist laut und hektisch. The new fortress, the old fortress, Geschichte wo hin man blickt. Man mekt, das die Engländer bis 1864 das Sagen hier hatten. Auch heute noch, überall hört und sieht man, es ist alles very british. English breakfast, alles ist auf den Tourismus der Briten zugeschnitten. Es ist alles sehr teuer, typisch für eine Touristenhochburg. Trotzdem genießen wir unseren Aufenthalt hier und das Gute ist, die horrenden Liegegebühren, wie zum Beispiel in Italien, fallen weg. Da leisten wir uns sogar noch ein Fisch Spa. Kleine Saugbarben kümmern sich um unsere Füße, wir sind quasi Fischfutter. Ein sehr angenehmes Erlebnis!!!

Wieder einmal sind wir auf der Suche nach einer Duschgelegenheit, ein schier aussichtsloses Unterfangen. Eine Marktlücke, damit könnte man hier gutes Geld verdienen! Aber wen interessieren hier noch die paar kleinen individuellen Segler, Weltenbummler oder living on board people? In Zeiten der Krise wird um jeden Cent gebuhlt. Man wird über`s Ohr gehauen wo es nur geht. Vorbei die Zeit der freundlichen, zuvorkommenden Griechen. Abzocken ist in! Man spürt deutlich, das Hilfspaket kommt sicher nicht bei den Leuten hier an. Nur die Banken haben noch Paläste…

Und dann haben wir sie doch gefunden unsere Wellnessoase in Form eines SPA in einem Casinohotel. Conny hat es natürlich gleich entdeckt, und nach kurzer Rückfrage an der Hotelrezeption haben wir sie dann doch noch gefunden. – EINE DUSCHE !!! Man geht einfach hinein, kein Mensch ist da oder kümmert sich um irgend etwas. Rein in das Bad, ausgiebige Körperpflege und dann geht man wieder. Artig grüßen bei der Rezeption und schon hat man bekommen, was man dringend brauchte. Merke: Immer Duschgel und Handtuch dabei haben, allzeit bereit sein!

Aber trotzdem, nach ein paar Tagen, haben wir diese seltsame Zivilisation satt und es treibt uns wieder weiter. Wir lösen uns von unserer Parkgelegenheit mit seinen seltsamen Bewohnern und beschließen die Insel Paxos zu besuchen.

Kontakt

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