ATLANTIK

Kurs 268° West, Transatlantik – 01.02.2014

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In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein,
über die Dinge, die du nicht getan hast,
als über die Dinge, die du getan hast.
Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen aus
und erfasse mit deinen Segeln die Passatwinde.
Mark Twain (1835 – 1910)

Am Steg des Cafes der Marina Mindelo gibt es einen sicheren Anlegeplatz für die Dinghies der Yachties, die im Hafenbecken von Mindelo ankern. Wer dort etwas konsumiert, kommt so zu einem gut bewachten Platz für sein zweitwichtigstes Fortbewegungsmittel. Nicht ganz unbedeutend in dem von großer Armut geprägten Mindelo. Auch wir nehmen diese Gelegenheit für unser Dinghi gerne wahr. Hier ist Treffpunkt von Crews aus aller Herren Länder, die den Sprung über den großen Teich wagen. Diesen Schiffen und ihren Besatzungen sieht man die vielen Meilen, die sie absolviert haben, schon an ihrem Äußeren an. Nur mehr selten niedliche Einheitsbekleidung, schon eher mehr Haudegen-Outfit, Marke „Fluch der Karibik“. Auf den Kap Verden hat sich der Spreu bereits vom Weizen getrennt. Keine „Creditcard Captains“ mehr, die im „Field of dreams“, wie es unsere britischen Freunde so treffend formulieren, verweilen.

Mittlererweile hat das Wetter etwas an Beständigkeit gewonnen und so hören wir immer öfter das Hupen der nach Westen auslaufenden Schiffe. Das echte Abenteuer rückt näher und eine besondere Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. Und so macht sich auch bei uns Unruhe breit, ein passendes Startfenster hat sich seit einigen Tagen aufgetan und verspricht 10 – 15 Knoten Wind und eine angenehmere Welle als jene, die wir zuletzt kennengelernt haben. Roland und Annemarie von der Angicamaro, seit 11 Tagen unterwegs in die Karibik und schon etwa 500 Meilen vor Antigua, melden via Sailmail gute Bedingungen bei bis zu 4 Meter Welle und 5 – 6 Windstärken. Ein gutes Ohmen. Der Countdown läuft, wir verlegen zum Bunkern noch die zwei letzten Tage in die Marina und am Samstag soll es losgehen.

Sonntag, 23:30 Uhr. Wir sind seit 30 Stunden unterwegs, irgendwo 110 Meilen West-Südwest nach Sao Vicente. Das Schlagen der Segel unterbricht meinen kurzen Schlaf, ein sicheres Zeichen, dass meine Anwesenheit an Deck erforderlich ist. Schlaftrunken steige ich in das Cockpit, der schon fast volle Mond leuchtet hell und macht die Kopflampe im Moment überflüssig. Kurs 310, Wind sehr schwach. Die Bewölkung hat zugenommen, und ein ganz tief hängender, fast zum Greifen naher, tiefschwarzer Wolkenfetzen steht direkt über mir. Noch immer etwas träge versuche ich dieses Bild in unsere Wetterinformationen einzuordnen, als plötzlich ein sehr großer Vogel, ohne Flügelschlag, zweimal das Schiff umrundet. Das seltsame Schauspiel verwirrt mich einen Moment. Dann die Erleuchtung. Alles klar, die Hexe des Nordens schickt ihre Boten! Bis hier hin und nicht weiter!

Da wir über Mystik und Geschichten der Seefahrer seit Beginn unserer Reise sehr viel dazugelernt haben, gibt es sofort ein Segelmanöver und wir legen sicherheitshalber neuen Kurs Südwest an. Und tatsächlich, der Wind frischt auf und wir segeln weiter zum 14. Breitengrad. Nein, abergläubisch sind wir nicht, aber man weiß ja nie…

Samstag 22:30 Uhr. Sechs Tage später, seit 173 Stunden unterwegs. Laut unseren Wetterprognosen sollte sich ab Freitag konstanter Passatwind mit ca. 17 Knoten einstellen. In den letzten Tagen hatten wir während der Tageszeit relativ gute Bedinungen, aber sobald es dunkel wurde, erinnerten uns sofort heftige Böen mit anschließenden unangenehmen Wellen, dass dies kein Sonntagsspaziergang werden wird. Bordmetereologin Conny hat ihre Hausaufgaben gemacht und anhand der Anzeichen richtigerweise eine Esterly Wave als Ursache diagnostiziert. Diese eingelagerten Passatstörungen ziehen ziemlich genau mit der Geschwindigkeit einer Yacht nach Westen. Also verringern wir unsere Geschwindigkeit und lassen uns von dem Tief überholen. Und tatsächlich, die Bedingungen verbessern sich. Ob dabei Connys Trommeln zum Sonnenuntergang, mit der in Mindelo neu erworbenen Jamba eine ausschlaggebende Rolle spielt, beantworte ich hier einmal sicherheitshalber mit „Ja“.

223 Stunden auf See. Wie paralysiert sitze ich im Cockpit und starre auf den Horizont. White horses auf den Kämmen der Wellen, der Himmel voll von Sternen, überall Passatwolken wie bauschige Wattebällchen, relativ ruhige See. Das kräftige Licht des Mondes läßt dieses Szenario wie ein surreales Bild aus einer anderen Welt erscheinen. Raum und Zeit verschwinden, du fühlst dich eins mit dem Universum, trotzdem aber winzigst klein. Wer oder was kann so so eine perfekt und wundervoll inszenierte Bühne erschaffen? Darwins auf Zufall basierende, von den Materialisten bevorzugte Entstehung des Lebens, erscheint mir anhand dieser Eindrücke in der Weite des schier endlosen Ozeans, doch als etwas an den Haaren herbeigezogen. In Zeiten der Erkenntnisse über die DNA und deren Komplexität an zufällig zusammengehüpfte Teilchen aus der Ursuppe zu glauben, ist schlicht und einfach falsch. Was ich hier fühle und erlebe, ist Kosmos, nicht Chaos. Hier hat eindeutig eine höhere Macht die Finger im Spiel. Viel mehr erkenne ich Teil eines, nennen wir es einmal „göttlichen“ Ursprungs, zu sein.

Vieles geht einem so im Kopf herum, wenn man umgeben ist nur von Wasser, geläutert von den Anstrengungen seines Tuns. Es gibt sicher tausende Gründe solchen Peinigungen, wie etwa mit einer Nußschale den Atlantik zu überqueren, zu entgehen. Aber die besten Drehbücher schreibt nun mal das Leben, und ob ihr es glaubt oder nicht, trotz aller Mühen und Anstrengungen ist es eines der eindrucksvollsten, aufregendsten Abenteuer meines bisherigen Lebens. Es dazu noch mit einem lieben Menschen teilen zu dürfen, macht die Sache umso wertvoller. Im Osten geht langsam die Sonne auf, ein neuer Tag bricht an und voller Erwartung werde ich nun dieses imposante Schauspiel beobachten und genießen.

Hier, auf offener See versuchen die Yachten immer um 18 Uhr UTC auf Kanal 16 Funkkontakt mit eventuell in der Nähe befindlichen Schiffen herzustellen. Und tatsächlich, nach 1200 Meilen, mitten im Nirgendwo, meldet sich eine schwedische Jacht nur 16 Meilen südlich von uns, 4 Personen an Bord eines 37 Fuß Monohull-Seglers, mit Ziel Tobago. Sofort die Frage ob alles in Ordnung ist oder Unterstützung benötigt wird. Immer wieder bewegend, die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt dieser Langzeitsegel-Community. Die Freude auf beiden Seiten ist groß, hier mitten in der Einsamkeit Kollegen zu treffen. Nachts können wir an unserer Backbordseite ihre Positionslichter erkennen, seit 10 Tagen das erste Zeichen aus der Zivilisation.

288 Stunden, 12 Tage auf See. Nach etwas mehr als der halben Strecke machen sich Squalls bemerkbar. Kurze, mit heftigen Böen einhergehende Regenschauer, die typisch für den Atlantik sind. Bei Tag sind sie leicht auszumachen, bei Nacht, speziell jetzt ohne Mondlicht, kommen sie eher überraschend. Da wir kein Risiko eingehen wollen, reffen wir deshalb nachts die Segel ausreichend.

Da es nicht einfach ist, eine Etappe über 2400 Meilen zu zweit zu bewältigen, ist ökonomisches Prinzip oberstes Gebot. Wir versuchen unsere Geschwindigkeit so mensch- und materialschonend wie möglich zu wählen. Der Autopilot soll so wenig wie möglich belastet werden, um diese Distanz auch bei aufgewühlter See unbeschadet zu überstehen. Wir haben keine Lust, bei diesen Strapazen auch noch Ruder gehen zu müssen. So ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 5 Knoten, die Reise wird dadurch länger aber auch etwas angenehmer.

312 Stunden, 13 Tage unterwegs. Seit den Morgenstunden hat sich eine steife Brise mit 25 Knoten und immer wieder starken Böen eingestellt. Während der Nachmittagsstunden hat sich dann das Meer dementsprechend aufgebaut, die Natur läßt ihre Muskeln spielen. Der Autopilot bekommt sichtlich Probleme, uns auf Kurs zu halten. Ich übernehme manuell das Steuer und ändere den Kurs auf Wind und Welle aus Achtern. Mehrmals bekomme ich, von der immer höher werdenden entstehenden Kreuzsee, eine Dusche verpaßt. Als ich dann, wie auf einer Hochschaubahn, in ein Wellental hinunter donnere, schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel und hoffe inständig, dass das nicht mehr wird! Mein Schöpfer läßt Gnade walten und gegen Abend entspannt sich die Lage. Der Passat setzt wieder ein und es folgt eine etwas ruhigere Nacht, das vor wenigen Stunden erlebte Schauspiel der Naturgewalten, prägt sich jedoch stark bei mir ein. Eines muß einem klar sein. Man setzt sich hier draußen der Natur aus, trotz aller Vorbereitungen bleibt der Faktor Wetter immer ein Risiko. Die Lektion, aus Situationen die nicht mehr kontrollierbar sind, heißt dann schlicht und einfach Gottvertrauen.

411 Stunden, 17 Tage auf See. Das letzte Drittel der Reise ist geprägt von Starkwind, Böen und Squalls. Übrigens, was macht man wenn ein Squall kommt? Richtig, man entledigt sich seiner spärlichen Kleidung, schnappt sich sein Duschzeug und hüpft in das Cockpit. Die bei Seglern allzeit beliebte Squalldusche ist äußerst erfrischend, hilft Süßwasser zu sparen und das Cockpit wird auch noch sauber gemacht!

Das Meer kommt nicht zur Ruhe, die difuse Kreuzsee mit immer wieder hohen, durchziehenden Brechern macht das Leben an Bord mühsam. Und dann, bei extrem rauher See, wird wird uns ein Naturschauspiel der besonderen Art geboten. Als Kontrast erscheint quer über dem gesamten Horizont ein riesiger Regenbogen in all seiner Spektralfarben-Pracht. Eines dieser seltenen und so wundervollen Momente, die man am liebsten still stehen lassen möchte.

466 Stunden, 19 Tage „LAND IN SICHT!!!“. Um 3 Uhr morgens sehen wir die beleuchtete Küstenlinie von Martinique. Nach Umrundung des Pnte des Salines, im Süden der Insel, steuern wir die Cul-de-sac in Le Marin an und erleben einen großartigen Tagesanbruch, sehr farbenprächtig und mit tropischen Regengüssen garniert. Im gut besuchten Ankerfeld lassen wir unseren Anker fallen, gezeichnet von den Strapazen und überglücklich es geschafft zu haben fallen wir in die Kojen. Die Last des jederzeit einsatzbereit sein müssens fällt von uns ab und etwas unbeschreiblich Schönes, lang Ersehntes kann jetzt beginnen! Schlaaaaaaafen……. chr, chr, chr,….

Ritt zu den Kap Verden –  03.01.2014

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„Gooooood morning Atlantic! This is Austrian sailing vessel Alien, can anybody read me? Over“. Der morgentliche Funkspruch auf Kanal 16 und das darauf folgende Rauschen als Antwort verrät uns, im Umkreis von zig Meilen sind wir die Einzigen. Mitten auf dem Atlantik, die Urgewalten der Evolution hautnah spürbar. Seit Tagen haben wir keine Schiffe mehr gesichtet. Unsere Alien gleitet durch die Wellenberge und das gleichmäßige Rauschen des Wassers verrät uns eine Geschwindigkeit von 5 Knoten.

Das Wackeln, das seit unserem Start unser Begleiter ist, deutet darauf hin, dass der Schwell nicht weniger geworden ist. Seit unserem Aufbruch von Morro Jable ist die See sehr bewegt und rauh. Die einzige Navtex Meldung, die uns erreicht hat, meldet Wind mit Stärke 5-6 aus Nordost mit 3 Meter Schwell und so ist es auch. Die mächtigen Tiefdruckgebiete im Nordatlantik lassen die See auch in diesen Breitengraden nicht zur Ruhe kommen.Wir setzen steuerbordseitig die ausgebaumte Genua, tagsüber mit mehr Segelfläche, nachts vorsichtshalber etwas mehr gerefft. Backbordseitig wird die Sturmfock über den Großbaum zum Butterfly fixiert.

Unsere Taktik ist, so ökonomisch wie möglich vor Wind und Welle abzulaufen. Material schonen und Kräfte sparen. 5 – 6 Knoten haben sich da als am erträglichsten herausgestellt, die immer wieder auftretenden, heftigen Böen können so keinen Schaden anrichten. Am späten Nachmittag, wenn sich die Sonne gegen den Horizont bewegt, steigt ein demütiges Gefühl in mir auf. Bald wird sie im Meer versinken, der Quelle alles Lebens und einer stockfinsteren Nacht weichen. Mondaufgang erst um 3 Uhr 30. Bis dahin wird Wind und Welle wieder deutlich zulegen. Die Dämmerung bricht herein und die ersten Böen pfeifen in den Stagen. Nein, es es ist keine Angst, aber ein großer Batzn Respekt vor diesen Urgewalten, denen man sich da aussetzt. Es ist schwer in Worte zu fassen, diese Eindrücke und Gefühle, die ich in mir spüre, wenn ich wie in Trance auf diese unendlichen Wassermassen starre und mit der Natur im Einklang bin. Tiefe Erkenntnis und große Befriedigung durchströmen Geist und Seele.

Müdigkeit kommt auf und die Beanspruchung der letzten Tage macht sich bemerkbar. Die Wackelei zerrt auch deutlich an Connys Ausdauer und Nerven. Aber die Bordfrau stellt wieder einmal ihre Zähigkeit in anstrengenden Situationen unter Beweis und unterstützt mich mit vereinten Kräften. Tagsüber ermöglicht sie mir, immer wieder einige Stunden am Stück zu schlafen, so kann ich die kräfteraubenden Nächte besser durchstehen. Natürlich wechseln wir uns immer ab, aber bei solchen Bedingungen, speziell bei Nacht, gilt es für den Käptn, in der Hundekoje und in voller Montur, stets einsatzbereit zu sein. Der Weihnachtsabend fällt etwas spartanisch aus, es gibt hausgemachtes, eingerextes Gulasch. Für dieses Leckerli können wir anhand der Koordinaten 5 Sterne vergeben.

Diesmal scheint uns der Blauwassersegler versagt zu sein, eine Lektion in Sachen Starkwind steht nun auf dem Programm. Unserer Alien aber scheint das alles nichts aus zu machen. Die alte Janneau pflügt souverän durch das aufgewühlte Meer, auch Brecher die über Bord gehen werfen sie nicht aus der Bahn. Das außergewöhnlich gutmütige Verhalten und die Zuverlässigkeit dieses Schiffstyps beruhigen ungemein und vermitteln einem Sicherheit in den Weiten der Ozeane.

Nach 8 Tagen, in den frühen Morgenstunden, wie üblich bei Dunkelheit, erreichen wir, gut durchgeschüttelt, den Kanal von Sao Vicente. In der Pantry findet Conny dann am Boden liegend einen fliegenden Fisch. Selbstmord sozusagen. Beinahe wäre er direkt in die Bratpfanne gehüpft. Bemerkenswerte Leistung! Da wir nicht bei Dunkelheit ankommen wollen, drehen wir bei und warten etwas ab. Von Kollegen vorgewarnt, nehmen wir gegen 7 Uhr morgens die letzten Meilen in Angriff und die verlangen uns noch mal alles ab. Durch den Düseneffekt und die geringe Meerstiefe entstehen starker Wind und eine steile See im Kanal von Sao Vicente. Schiffsverkehr und Strömung machen die Sache nicht einfacher, aber bei Tagesanbruch erreichen wir dann nach 935 Seemeilen, ausgelaugt aber glücklich, den Porto Grande von Mindelo. Wir legen in der Marina Mindelo an und ein südländisch, afrikanischer Flair nimmt uns sofort gefangen.

Freundliche, lachende Menschen empfangen uns, die Armut jedoch allgegenwärtig. Alkohol- und Drogenmißbrauch stellen ein großes Problem dar. Überall sieht man Menschen, mit aphatischem Blick, am Boden liegend. Wie wir später erfahren, ist in den meisten Fällen, der einfache, selbst gebraute „Ponsch“ der Auslöser. Ein Gebräu, bei dessen Herstellung Methylalkohol freisetzt wird, und beim Menschen schwere Schäden hervorruft. So vorgewarnt, lehnen wir dankbar die Einladungen der Einheimischen zum Genuß dieser Köstlichkeit ab.

Ein paar Tage in der Marina gönnen wir uns, speziell zum Aufklaren und Bunkern des Schiffes ist das sehr hilfreich. Hier treffen wir Rudi aus Wien. Der nette Stützpunktleiter einer Charterbasis hilft gerne mit Rat und Tat. Das Feiern von Silvester wird hier mit einem riesigen Feuerwerk um Mitternacht begonnen, allerdings empfiehlt es sich, Brandwache in der Marina zu halten, da immer wieder brennende Reste der Phyrotechnik auf die Jachten niederregnen. Am Neujahrstag unternehmen wir eine ausgedehnte, sehr interressante Wanderung durch Mindelo und erleben abseits der Touristenwege Land und Leute. Überall treffen wir auf auf Einheimische, die uns herzlich ein gutes neues Jahr wünschen. Wir machen die Bekanntschaft mit Straßenmusikanten und Conny bekommt ein reizendes Ständchen vorgespielt.

Die Liegequalität in der Marina aber läßt etwas zu wünschen übrig, starker Schwell und Strömungen, bei Ebbe und Flut, lassen die Schiffe herumtanzen und an den Leinen reißen. Nicht sehr gemütlich, also beschließen wir vor Anker zu gehen. Da liegt man wesentlich ruhiger. Wir genießen noch ein wenig den kapverdischen Lifestyle, während wir auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt in die Karibik warten. Oder Brasilien? Oder Gambia? Oder …? Ach, so genau weiß man das jetzt noch nicht, sobald uns was einfällt, lassen wir es euch wissen!

Kanarisches Lebensgefühl und Vorbereitungen –  20.12.2013

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Unseren Plan nach Las Palmas weiter zu segeln, müssen wir, trotz bestem Segelwetter, leider aufgeben. Der Hafen dort ist zum Bersten voll, auch unsere britischen Kollegen vor Ort, von der „Atlantic Crossing group“, versuchen, für uns einen Liegeplatz im Hafen zu organisieren. Vergebens. Schlechtes Wetter ist im Anmarsch, Windstärke 7 aus Südost. Conny und ich verzichten auf die Option im Hafenbecken von Las Palmas zu ankern, und bleiben sicherheitshalber in dem gut geschützten Hafen von Arrecife.

Wir werden also hier unser Schiff aufbunkern und den Sprung auf die Kap Verden über Gran Tarajal, Fuerteventura, in Angriff nehmen. Mit Argusaugen beobachten wir das Wettergeschehen um ein geeignetes Fenster zu erwischen. Nur nicht hudeln! Auch Bob, unser segelerfahrener Rechtsanwaltsfreund aus Kanada, hatte Pech, bei dem Versuch, Mindelo zu erreichen. Nach 8 Tagen und 500 Meilen musste er abbrechen und kehrte in nur 4 Tagen nach Teneriffa zurück. Ihn haben südliche Winde erwischt.

In der Zwischenzeit fallen uns, schräg gegenüber unseres Anlegeplatzes, zwei spanische Jungs auf. Fleissig und mit Nachdruck bringen sie ein Schiff auf Vordermann, hier wird der Traum der Surferboys Diego und Sergio verwirklicht. Der langhaarige Diego, Urgestein der Surferszene, stolze 60 Jahre, schweißt, renoviert, tut und werkelt mit einer bewundernswerten Hingabe. Sein Freund Sergio legt Hand an, wo es nötig ist.

Als legitime Nachfolger der Hippies, erzählt Diego, sind die beiden Surferboys auf der Suche nach dem Surferparadies, der Superwelle, dem Adrenalin. Nicht mit berechnender Logik gehen sie an`s Werk, nein, Phantasie und Träume sind ihre Antriebsfeder. Der Spirit der 60iger Jahre ist hier im Süden immer noch zu spüren, Freiheit und Lebensfreude sind noch nicht ganz verkümmert. Es riecht nach Gras, das windgegerbte Gesicht Diegos leuchtet als er uns von seinen wilden jungen Jahren erzählt. Joga und Sport halten ihn immer noch erstaunlich fit, immerhin taucht er nur mit dem Schnorchel bis 25 Meter in die Tiefe. Erstaunliche Einblicke in die Komunikation mit den Meeresbewohnern dort unten lassen uns staunen, sie zeugen von Erfahrung mit der Materie.

Mit technischen Ratschlägen und Hilfe in Konstruktionsfragen darf ich mein Schärflein dazu beitragen, diese Visionen der Boys umzusetzen. Wir verbringen einige sehr angenehme Abende mit ihnen, entdecken erstaunliche Gemeinsamkeiten in unseren Beweggründen das zu tun, was wir tun. Oder wie Diego zu sagen pflegt, sich nicht unterkriegen lassen, von den „Bastardos del Merda“! Der Abschied ist herzlich, aber sicher werden wir uns wiedersehen!

Es wird Zeit, Arrecife zu verlassen und ein entspannter Segeltag bringt uns 60 Seemeilen südöstlich nach Gran Tarajal auf der Insel Fuerteventura. Ein befreiendes Gefühl macht sich breit, nach zwei Monaten sind wir wieder auf Kurs. Der Ausflug in die „Hektomatikwöd, wo si ollas draht um Mocht und Göd… (frei nach STS)“, hat bei uns doch Spuren hinterlassen. Die frische Seeluft tut gut, Abenteuerlust und der Wunsch weiterzukommen erwecken unsere Lebensgeister. Auf zu neuen Ufern!

Einlaufen in den Hafen wie gewohnt bei Dunkelheit, und natürlich, Fallböen mit bis zu 35 Knoten. Mittlererweile Routine, wir haben uns schon daran gewöhnt. Ist halt so.

Ein nettes sauberes Städtchen erwartet uns, kunstvolle riesige Bilder verzieren Häuserwände und geben dem Ort einen besonderen Flair. Freundliche, entspannte Menschen begegnen uns, aber auch arme Menschen, die vor dem Supermarkt um etwas Geld bitten, sind allgegenwärtig. Ich verspüre Mitleid in mir und den Wunsch, diesen Menschen zu helfen.

Ein Losverkäufer der Lotterie gleich neben dem Eingang, bringt mich auf eine Idee. Schnell ist ein Los gekauft, drei Schritte weiter gebe ich es der Frau die auf einem Kartonschild, ganz unaufdringlich, um Hilfe bittet. Sie sieht mich verdutzt an, und ich zeige ihr mit einem Lachen zwei fest gedrückte Daumen, die viel, viel Glück bedeuten. Das zaubert auf dem Gesicht der armen Frau ein breites Lächeln und sie nickt dankbar. Diese Eineurofünfzig werden ihr hoffentlich eine Million bringen, ich wünsche ihr es von ganzem Herzen!

Die Marina ist äußerst günstig, wir entdecken gepflegte, blitzsaubere Wc`s und Duschen mit toller Regenbrause. Etwas später wissen wir auch, warum das so ist. Nach dem ersten Test der Dusche entpuppt sich das Regelventil der Brause als Kaltwasser Ein/Aus. Warmwasser wurde sicherheitshalber gar nicht erst installiert! Im Sommer, bei Temperaturen bis zu 40 Grad, spielt das weniger Rolle, aber jetzt??? Pullover und Haube sind angesagt, speziell in der Nacht. Ergo, keiner gibt sich diese Kneipkur. Schwere Niederlage, speziell für die arme Bordfrau… Also, drei Tage später, weiter nach Morro Jable.

Die Hoffnung auf eine warme Dusche, es hat mittlererweile morgens im Schiff nur mehr 16 Grad, zerplatzt nach der Einfahrt in den Hafen wie eine Seifenblase. Morro Jable ist hauptsächlich ein Fährhafen, Infrastruktur und Tourismus sind mit der Krise den Bach runtergegangen. Immerhin gibt es einen Steg um anzulegen, wenn dieser auch schon mehrmals geflickt und sehr ramponiert aussieht. Eine kurze Runde mit dem Bordfahrrad bestätigt uns, hier ist nicht gerade der richtige Ort um abzuwettern, eignet sich aber ideal als Startplatz auf die Kap Verden. Der Wetterbericht verrät uns den 21. Dezember als geeigneten Starttermin um aufzubrechen. Also dann, auf nach Mindelo!

Zurück in eine andere Welt – 03.12.2013

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In Arrecife, auf Lanzarote, haben wir einen guten Platz für unseren bevorstehenden Besuch in Wien gefunden. In der noch im Bau befindlichen Marina Lanzarote können wir unser Schiff sicher parken und Versorgungsmöglichkeiten für die anstehenden Segeletappen sind ebenfalls ausreichend vorhanden. Mietwagen sind günstig, Marinagebühren leistbar und der Flughafen ist gleich neben der Stadt. Die von Vulkanausbrüchen gezeichnete Insel hat einiges zu bieten. Da Conny und ich schon vor einigen Jahren dieses Eiland mit seinen guten klimatischen Bedingungen als Urlaubsziel ausgewählt und erkundet haben, sind wir mit den örtlichen Gegebenheiten schon vertraut.

Die Flugverbindungen nach Österreich sind gut und so bringt uns der AUA Flug 9502 am Samstag, den 2. November, nach Wien. Landung 0.55 Uhr. Die Schiebetüre in der Ankunftshalle in Schwechat öffnet sich, und unser treuer Kumpel Andreas, immer noch in Arbeitskleidung, erwartet uns zu dieser unwirtlichen Zeit. Er hat ein Auto mitgebracht, das er uns für die Dauer unseres Aufenthaltes zur Verfügung stellen kann. Das bedeutet für uns natürlich eine große Erleichterung im Hinblick auf bevorstehende Besuche von Eltern und Freunden. Natürlich stehen wieder einmal einige Reparatur- und Konstruktionsarbeiten auf dem Programm. Material ist besorgt, wir können jederzeit mit den Arbeiten beginnen. Immer wieder frage ich mich, was würden wir ohne ihn nur machen?

Zurück in der mitteleuropäischen Großstadthektik finden wir uns anfangs nur schwer zu recht. Irgendwie ist uns alles fremd geworden. Im Free-TV laufen immer noch dieselben Serien wie vor einem Jahr. Massenhypnose? Auf der Straße sehe ich Menschen, die mit heruntergezogenen Mundwinkeln durch die Straßen laufen, getrieben von einer unsichtbaren Hektik. Um die Zeit totzuschlagen wird in Smartphones gestarrt, die scheinbar per Kabel direkt mit den Köpfen der Leute verbunden sind.

Irgendwie erscheint mir das alles sehr sureal. Ich frage mich, wer steuert hier wen? Wenn das Manfred Deix sehen würde… Ich beneide Karikaturisten, die solche Gedanken in Bilder umsetzen können! Oder handelt es sich hierbei doch eher um die Potenzierung von Georg Orwells Roman „1984“? Mir schaudert bei dem Gedanken möglicherweise selbst wieder in diesem goldenen Käfig zu landen. Ein Albtraum für jeden Langzeitsegler! Ich beschließe mit mir selbst, alles nur erdenklich Mögliche zu tun, um das zu vermeiden.

Als allererstes stehen die Besuche bei unserer Familie auf dem Programm, die uns schon so sehr vermissen. Endlich sehe ich meinen Sohn Daniel wieder! Darauf freue ich mich immer ganz besonders. Es gibt viel zu erzählen, doch leider ist die Zeit immer zu knapp. Wir begeben uns in ländliche Gefielde. Gemeinsam besuchen wir meine Mutter im Waldviertel und Connys Eltern in St. Aegyd. Herzliches Wiedersehen, 8 Monate ist es her. Hier werden wir liebevoll umsorgt und mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt, österreichische Hausmannskost schmeckt einfach herrlich. Leider ist unser Aufenthalt in Österreich nur kurz, und unsere ausgeprägte Reiselust wird von unseren Lieben leider nicht immer so gut geheißen, wie wir es uns gerne wünschen würden. Bald müssen wir wieder Abschied nehmen. Wehmut kommt auf, wenn wir daran denken, sie bald wieder alleine zu lassen. Danke, dass ihr versucht zu verstehen! Danke, dass es euch gibt!

Zwischen den Familienbesuchen viele Treffen mit lieben und treuen Freunden. Spontan kommen wir einer Einladung unserer Seglerfreunde Willi und Maria, die wir in Lefkas kennengelernt haben, nach. Der Weg von St. Aegyd nach Bad Hall ist nicht mehr weit und so finden wir uns einige Stunden später nach einem gemütlichen Saunagang gemeinsam, im Jacuzzi der Familie Dr. Tischler, mit einem Glas Sekt, wieder. Absolut entspannend, beste Konversation und Maria kredenzt das beste Lammgericht, das ich je gegessen habe! Da Willi ein Alternativmediziner der Extraklasse (www.metabolic-typing.at) ist, bitte ich ihn, mein etwas ramponiertes rechtes Knie in Augenschein zu nehmen. Und tatsächlich, spezielle Dehnungsübungen und Nahrungsergänzungsmittel auf Hyaluronsäureextrakt-Basis bringen sofort spürbare Linderung.

Ein herzliches Dankeschön auch an unsere Seglerfreunde Elfi und Herbert, Rainhardt und Tatjana, an die lustige Runde der Uhrmacherbrüder aus Karlstein, an die Familie Rupp und die Familie Kvasny, an Kapitän Bärli, an Andrea, Kiesl und Babsi, und nicht zuletzt an unsere netten Nachbarn Doris, Emanuel und Katharina, die uns tatkräftig und verlässlich unterstützen.

Ein großes Danke an euch alle, dass ihr euch die Zeit genommen habt, für eure Gastfreundschaft und die netten Stunden!

Der Rückflugtermin kommt näher und vollgepackt mit den wichtigsten Dingen machen wir uns auf den Weg Richtung Flughafen. Andreas bringt uns noch an das Gate, seine allerbesten Wünsche begleiten uns. Planmäßig startet der AUA Flug 9501 nach Lanzarote und unterwegs können wir Gibraltar erkennen. Das letzte Mal dauerte der Trip von hier auf die Kanaren ganze 6 Tage. Dieses Mal sind wir in nicht einmal eineinhalb Stunden am Ziel. Landung in Arrecife, angenehme 21 Grad empfangen uns, das entschleunigte Leben hat uns wieder.

Zurück in der Marina verstauen wir unsere Sachen. Plötzlich höre ich Conny rufen: „Die Happy Hour!!!“ Und tatsächlich, unsere britischen Freunde Sean und Jane liegen gleich einen Steg weiter. Kennengelernt in Lefkas, getroffen in Gibraltar und jetzt hier in Arrecife wieder zusammengefunden. Großes Hallo, und wie selbstverständlich, sind wir gleich zum Dinner eingeladen, es gibt vieles zu erzählen. Ein starkes Gefühl von Zusammenhalt macht sich breit. Ja, wir fühlen uns ausgesprochen wohl in der großen Community der Segler!

Hallo Atlantik! Gibraltar – La Graciosa – 19.10.2013

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Am So, den 6. Oktober, früh morgens um 06:30. Endlich, es ist soweit, die Anspannung und Aufregung der letzten Tage haben ein Ende. Bei Dunkelheit starten wir unser Vorhaben. Vorerst heißt es einen Slalom zwischen Fähren, Frachtern und Öltankern in der Bucht von Gibraltar zu absolvieren. Wir halten uns an die Empfehlungen des bekannten Seglers und Buchautors Jimmy Cornell und fahren gemeinsam mit der SY Enya, 3 Std. nach Hochwasser Gibraltar, in die wegen ihrer gefährlichen Strömungsverhältnisse bekannten Straße ein. Unter Motor und gesetzter Genua passieren wir Tarifa. Motor aus, Segel rauf! Nur eine halbe Stunde Gegenströmung von einem Knoten, dann spuckt uns das Mittelmeer, mit einer nach West setzenden Strömung von bis zu 2,5 Knoten und Wind aus Ost, förmlich in den Atlantik hinaus – Einfach perfekt, wir konnten es kaum besser erwischen. Nachmittags haben wir bereits erfolgreich unter Gennaker die Schifffahrtsstraße gequert, ab jetzt geht es der marokkanischen Küste entlang, südwestlich zu den Kanaren.

Kurz darauf die erste außerplanmäßige Aktion. Das Seil vom Gennaker-Bergeschlauch verhängt sich an einem Radarreflektor und so klettert Martin kurzerhand den Mast hoch und entwirrt die Leine. Mehrere der 640 nM segeln wir gut mit unserem Gennaker, teils mit zusätzlich gesetztem Großsegel. Aber auch unter Normalbesegelung mit Groß, Genua und Fock kommen wir gut voran. Das Ausbaumen von Genua und Gennaker ist für Conny jedesmal ein unliebsames Erlebnis, speziell nachts. Dann muss der Kapitän aufs Vorschiff, um den Baum, balancierend wie ein Seiltänzer, richtig zu positionieren. Letztendlich macht sich bei Martin auch noch eine ziemlich hartnäckige Erkältung bemerkbar, Gott sei Dank ohne Fieber! Da hilft nur eins, Mama Connys Holunderblütentee. Mit diesem Heilkraut und einigen Aspirintabletten ist ihm vorläufig gut geholfen.

Als großes Ärgernis entpuppt sich jetzt die neue Elektronik. Das neu eingebaute AIS hat Kompatibilitätsprobleme mit Windows 7, das Amateurfunkgerät glänzt mit einer durchgebrannten Endstufe und die marokkanischen Kollegen finden es nicht der Mühe wert, aktuelle Navtex-Wettermeldungen auszusenden. Also funken wir vorbeifahrende Frachter an, absolut freundlich und hilfsbereit erhalten wir die aktuellen Wetterdaten – auch eine Möglichkeit…. Dieses Mal sind wir auch kulinarisch voll mit dabei. Conny hat einige Schmankerl in La Linea vorbereitet und eingekocht. Wir genießen Szegediner Krautfleisch, rote Linsensuppe, Hühnercurry und Majoranfleisch. Wir wissen mittlererweile, wie wichtig es ist, bei langen Törns, ausreichend und gut zu essen. Es richtet ungemein auf und hebt die Stimmung ganz besonders.

Im Morgengrauen, nach genau 6 Tagen und 1 Stunde erreichen wir die Ankerbucht Playa Francesa auf der Insel La Graciosa. Wir werfen unseren Anker nahe der österreichischen Schiffe, die allesamt schon ungeduldig und ein wenig besorgt auf uns gewartet haben. Die Esperanza und Angicamaro, die zwei Tage vor uns gestartet sind, haben die Strecke in 5 Tagen zurückgelegt, sie hatten bessere Windverhältnisse, mussten dafür aber doch unangenehme Wellen in Kauf nehmen, auch die Strasse von Gibraltar war für sie nicht so ganz unproblematisch zu passieren. Die mit uns gleichzeitig gestartete Enya mit dem erfahrenen Skipper und Regattasegler Thomas und Crew Andi ist auch schon seit eineinhalb Tagen da. Wer aber den Thomas schon einmal beim Segeln beobachten durfte, weiß, was seine 40-jährige Erfahrung und ein mit besten Segeln und Equipment ausgestattetes Schiff, zu leisten imstande sind. Der Mann verschwindet mit aufgeblähten, seltsam geformten Segeln und läßt uns staunend zurück. Da fehlt nur noch der Kondenzstreifen. Hut ab Thomas, das machst du wirklich gut!

Wir verbringen in La Graciosa eine sehr schöne Zeit und Martin kann seine Verkühlung etwas auskurieren. Wir machen mit unseren österreichischen Freunden mehrere Landgänge, haben viel Spass und Conny besucht mit Martina und Florian eine spanische Messe in einer sehr schönen, mit liebevollen Details ausgestatteten, Fischerkirche im Dorf Caleta del Sebo.

Wir haben 6 Tage zu unserer ersten Kanareninsel La Graciosa gebraucht, an 2 Tagen mussten wir mit wenig Wind Vorlieb nehmen, an den übrigen Tagen aber durften wir entspanntes Atlantik-Segeln kennenlernen. Wir erreichten oftmals Geschwindigkeiten von bis zu 9 Kn. über Grund. Was uns vollkommen überrascht hat, war die, im Gegensatz zum Mittelmeer, angenehme lange Atlantikdünung. Kein lautes Krachen von hereinbrechenden, kurzen und spitzen Wellen, kein unangenehmes Rollen, gleichbleibende Windverhältnisse über längere Zeit. Der Atlantik hat uns ausgesprochen freundlich empfangen. Unsere etwas vorsichtigere Taktik hat sich gut bewährt und diesen Törn zu einer guten Erfahrung werden lassen. Auf alle Fälle ein guter Auftakt für die nächste Etappe zu den Kap Verden, die wir nach unserem bevorstehenden Heimaturlaub in Angriff nehmen möchten.

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elkapitan63@gmail.com

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